5 Fragen an: Dr. Ursula Voss, Schlafforscherin

„Sagen Sie Ihrem Kind, dass seine Alpträume nicht Wirklichkeit werden“Kind Schlaf SchreitManche Träume sind für Kinder eine echte Belastung. Dr. Ursula Voss, Schlafforscherin am Institut für Psychologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt beantwortet starke-eltern.de fünf wichtige Fragen zum Thema Träumen.

starke-eltern.de:
1. Viele Kinder scheinen einen lebhaften Schlaf zu haben. Träumen Kinder denn anders als Erwachsene?


Meiner Erfahrung nach träumen Kinder öfter klar, d.h. sie sind sich häufiger bewusst, dass sie träumen, während sie träumen. Außerdem sind ihre Traumberichte weniger geglättet und geschönt im Vergleich zu denen Erwachsener. Das bedeutet, dass die Träume mehr Zeit- und Orts-Sprünge enthalten und insgesamt bizarrer zu sein scheinen. Vermutlich sind die REM-Schlaf-Träume von Erwachsenen ebenso bizarr, Erwachsene haben aber die Tendenz, Unzusammenhängendes zusammenzufügen, so dass am Ende eine in sich geschlossene Traumgeschichte daraus wird.Ich kann Ihnen einmal ein Beispiel von einer Kindertraumerzählung wiedergeben: "Auf der rechten Seite war eine Burg aus Holz, aber keine Ritterburg, eine relativ kleine, keine Spielzeugburg, aber eine nicht mit Türmen, ohne Dach, aber aus Holz. Wir dachten, das wär zum Spielen und dann sind wir dahingefahren. Dann bin ich darauf geklettert, und auf einmal als ich geschafft habe, ganz oben draufzukommen, sah ich jemanden mit Hyänenkopf und Zyklopenbeinen. An die Beine kann ich mich nicht erinnern, nur noch an das Wort „Zyklop“, als ich die Beine angekuckt habe. Ich dachte erst mal, das wär eine Statue, aber dahinter waren noch ganz viele, und die bewegten sich. Wir erschreckten uns. Außen kamen dann auch noch welche und die sind dann in den Wald hineingelaufen und irgendwas haben die geschrieen, das hat uns Angst gemacht, dann sind wir aufgesprungen wieder auf unsere Fahrräder, und dann sind wir nicht den Weg zurück gefahren, sondern einen, der durch den Wald ging. Aber als ich drinne war, also noch außen, da wusste ich, wo der Weg in Wirklichkeit war. Ich hab kapiert, dass ich träume ..."

starke-eltern.de:
2. Viele Eltern jüngerer Kinder berichten, dass ihre Kinder eine kurze Zeit nach dem Einschlafen plötzlich aufschreien oder mit weit geöffneten Augen im Bett sitzen und bitterlich weinen. Was ist das für ein Phänomen?


Bei diesem Phänomen handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen "Pavor Nocturnus" oder auch "night terror". Bei Kindern tritt diese Schlafstörung mit einer Verbreitung von ca. 20 Prozent recht häufig auf, bei Erwachsenen ist sie äußerst selten. Über die Ursachen dieses Phänomens ist bislang nur wenig bekannt, Stress scheint jedoch eine wichtige Rolle zu spielen. Dementsprechend können Entspannungsübungen vor dem zu-Bett-Gehen helfen. Tritt die Störung häufiger auf, also mehr als 1 Mal pro Woche, sollte ein Arzt hinzugezogen werden, auch um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um einen Pavor Nocturnus und nicht um eine andere Störung handelt.

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3. Viele Eltern versuchen ihre Kinder zu wecken, wenn der Pavor Nocturnus auftritt. Ist das richtig?


Ich würde ein Kind nur dann wecken, wenn Gefahr bestünde, dass es sich verletzt. Der Pavor Nocturnus ist für Außenstehende meist schwerer zu ertragen als für die betroffenen Kinder, die sich am Morgen meist nicht an das nächtliche Erschrecken erinnern. Ein Wecken kann dazu führen, dass sich das Kind nicht orientieren kann und verwirrt ist oder sich erschreckt und Angst vor dem Einschlafen entwickelt. Da es vorkommen kann, dass ein Kind in diesem Zustand das Bett verlässt und herumläuft (ähnlich dem Schlafwandeln), sollten Eltern dafür sorgen, dass die Schlafumgebung sicher ist und sich ihr Kind nicht verletzen kann.

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4. Sie sagen, Entspannungsübungen helfen. Wie funktionieren die? Ist es sonst wichtig, in der Zeit am Abend vor dem Zubettgehen bestimmte Dinge zu beachten?


Es handelt sich dabei um leichte Entspannungsübungen, ähnlich dem autogenen Training. Die Übungen sollten im Sitzen durchgeführt werden. Einschlafrituale sind ebenfalls hilfreiche Methoden, den Tag ausklingen zu lassen und Ruhe zu finden. Außerdem sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind ausreichend Schlaf bekommt und regelmäßige Bettzeiten einhält. Wichtig ist, dass sich ihr Kind beschützt und wohl fühlt, Eltern sollten das Zubettgehen ihres Kindes also möglichst ruhig und einfühlsam begleiten.

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5. Manchmal träumen Kinder für sie ganz furchtbare, erschreckende Dinge und sind danach nur schwer wieder zu beruhigen. Wie kann man Kindern dann Ängste vor der nächsten Nacht nehmen? Haben Sie da Tipps?


Sprechen Sie mit ihrem Kind über diese Dinge. Fragen Sie nach! Warum sind die Dinge so erschreckend, wie könnte sich ihr Kind das nächste Mal verhalten, sollten sich diese Trauminhalte wiederholen. Gibt es Dinge, die ihrem Kind im Alltag Sorgen machen? Fürchtet es sich vor etwas im realen Leben? Klären Sie auf! Erklären Sie ihrem Kind, dass alle Menschen manchmal schlecht träumen und dass diese Träume nicht Wirklichkeit werden.

starke-eltern.de:
Liebe Frau Dr. Voss, vielen Dank für das Gespräch.


Zum Projekt: Klasse2000 wird deutschlandweit angeboten. Jede Grundschule kann sich für das Programm anmelden. Informationen für Lehrer, Eltern und potenzielle Klassenpaten gibt es auf der Internetseite www.klasse2000.de

starke-eltern.de:
Liebe Frau Keller, vielen Dank für das Gespräch.
Dr Ursula Voss Dr. Ursula Voss, Schlafforscherin
Wichtig ist, dass sich ihr Kind beschützt und wohl fühlt, Eltern sollten das Zubettgehen ihres Kindes also möglichst ruhig und einfühlsam begleiten.