Tipp des Monats: Lesen im Dunkeln schaden den Augen nicht

"Jetzt mach das Licht aus und schlaf schön, mein Schatz" - jeden Abend sprudelt dieser oder ein ähnlicher Satz aus tausenden Elternmündern. Doch die Erfahrung lehrt: Kaum ist die Kinderzimmertür ran gezogen, der letzte Schritt auf knarrendem Flurparkett verhallt, wird in vielen Kinderbetten klamm heimlich wieder das Licht angeknipst, um doch noch die spannende Geschichte weiterzulesen oder eine Nachricht auf dem Handy zu lesen…
 

Das schadet doch den Augen

Viele Weisheiten werden aus purer Gewohnheit von Generation zu Generation weitergegeben, so auch diese: "Das Lesen im Dunkeln macht die Augen kaputt!" Georg Eckert vom Verband der Augenärzte in Düsseldorf gibt medizinische Entwarnung: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass geringe Beleuchtung den Augen in irgendeiner Weise schadet." Weder das Sehvermögen wird beeinträchtigt, noch kommt es zu Entzündungen oder anderen Beschwerden der Augen, erklärt der Experte: "Allerdings ist es natürlich sehr anstrengend, im Dunkeln zu lesen." Kopfschmerzen oder trockene Augen sind daher die häufige Folge nächtlicher Leseaktionen.
Es gibt keinen Beleg dafür, dass geringe Beleuchtung den Augen in irgendeiner Weise schadet.

Schonzeit beim Ins-Bett-Bringen

Wenn der Nachwuchs heimlich mit der Taschenlampe unter der Decke liest, müssen also andere Argumente her. Fakt ist: Schulkinder bis zum 12 Lebensjahr sollten mind. 9 Stunden pro Nacht schlafen, besser sind sogar 10 Stunden. Wenn der Wecker also morgens um 6 klingelt, heißt es deshalb spätestens um kurz vor 21 Uhr Licht aus! Damit kleine Leseratten dann nicht enttäuscht sind oder schummeln müssen, empfiehlt es sich, Kinder nicht erst ins Bett zu stecken, wenn sie schlafen sollen, sondern ihnen eine Kuschel-und Lesezeit von 30-45 Minuten zu ermöglichen, je nach Alter. Beim abschließenden Gute-Nacht-Kuss können Eltern dann zur Sicherheit das Lieblingsbuch z.B. auf den Schreibtisch legen. Handys sollten nachts generell abgeschaltet werden und warten am besten auf dem Flur oder in der Küche auf ihre Besitzer.
 

Gute Beleuchtung entlastet

Wenn Kinder gerne abends im Bett noch lesen, sollten sie eine helle Leselampe haben, die so angebracht ist, dass sie eine gute und einfache Bedienung ermöglicht. Zum Kuscheln oder Kassette hören ist ein kleines, gemütliches Nachtlicht ausreichend. Ein Tipp vom Augenarzt Eckert: "Wenn Kinder bei geringem Lichteinfall plötzlich schlechter lesen können, kann das auch ein Hinweis auf einen Sehfehler sein." Das Lesen im Dunkeln ist dann nicht Auslöser, sondern wertvoller Hinweis auf eine Schädigung der Augengesundheit oder eine Sehunschärfe: "Durch die geweitete Pupille in der Dunkelheit machen sich versteckte Sehfehler eher bemerkbar, ganz unabhängig davon, ob ich lese oder nicht." Der Besuch beim Augenarzt und ein Sehtest geben Aufschluss.

Autorin: Bettina Levecke