Buchkritik: Wie Teenies ticken

Eine neue "Glücks-Formel"?

Nein! Schon der Klappentext stellt klar: Dieses Buch will gar kein Erziehungsratgeber sein. Die Idee, die ihm zugrunde liegt, ist simpel und doch so noch nicht in einem anderen Buch zu finden: Fragen wir doch einfach mal die Jugendlichen selber. Hauke Brost hat einen umfassenden Fragenkatalog zu Themengruppen wie Familie, Schule, Sex, Geheimnisse und Zukunft zusammengestellt und über tausend Teenies haben geantwortet, teils in persönlichen Gesprächen, teils schriftlich, teils über das Internet. Die Jugendlichen haben offenbar begeistert mitgemacht und schickten, so Brost: „Essays und Lyrik, Thesen und Forderungen, verzweifelte Anklagen gegen Eltern und zu Herzen gehende Liebeserklärungen an ihre Familien.“
 

Keine Geheimnisse

Die Fragen an die Teenager sind spannend, liebevoll, manchmal auch hilflos oder fast traurig, eben all das, was Eltern von ihren pubertierenden Kindern immer schon mal wissen wollten, aber sich vielleicht nicht zu fragen getraut haben. Wahrscheinlich würden sie das eine oder andere Mal auch ziemlich brüsk abgelehnt werden. Welcher Teenager bespricht schon gerne mit seinen Eltern, welche Sexpraktiken für ihn tabu sind oder beantwortet, ob er manchmal klaut. Genau darin liegt die Stärke des Buches: Die Jugendlichen können hier ganz ungehemmt von sich erzählen. Im direkten Gespräch mit den Eltern steht ja häufig die Abgrenzung und die Autonomie durch Geheimnisse im Vordergrund. Und Eltern wollen ihre Teenies auch nicht unbedingt so offen mit Fragen „löchern“.

Respekt!

In einer UNESCO-Untersuchung über die Lage der Jugendlichen in Deutschland 2007 beklagen sich 40 Prozent aller Teenies darüber, dass ihre Eltern zu wenig mit ihnen reden. Doch auch die Eltern fragen, beziehungsweise fragt Brost in seinem Buch stellvertretend: „Warum sprecht ihr nicht mit uns?“ Allein dieser Widerspruch offenbart die Schwierigkeiten, die im Zusammenleben mit Teenies entstehen können. Sie wünschen sich Interesse und machten Aussagen wie: „Eltern sollten immer versuchen, mit einem zu reden.“, aber auch „Wenn ich ein Problem habe, bei dem ihr mir helfen könnt, dann komme ich schon selbst damit an.“ Was denn jetzt? Reden oder nicht? Soll ich nachfragen oder nerve ich dann? Liest man die Antworten der Teenager aufmerksam, erkennt man schnell, dass es eigentlich gar nicht darum geht, die „richtige“ Handlungsweise zu finden. Vielmehr brauchen sie den Konflikt und Austausch mit den Eltern, den Widerspruch, das Sich-aufregen über die unverständigen Erwachsenen. Aber auch den Schutz und die Geborgenheit der Familie, auch wenn oder gerade weil sie manchmal von Gefühlswirrwarr geplagt werden. Wenn die Eltern sich zurückziehen und desinteressiert werden, enttäuscht das die meisten Jugendlichen. Sie suchen Verständnis und – ganz wichtig – Respekt. Die 15-jährige Lisa fordert: „Eltern sollten ihre Kinder so behandeln, wie sie selber von ihnen behandelt werden wollen.“ Die meisten Teenager finden Stress und Streit mit den Eltern ziemlich normal. Nadine (17) rät: „Liebe Eltern: Wenn wir zickig sind, dann ist das ganz normal. Wenn ihr einen Anfall kriegen solltet, dann geht doch ausnahmsweise mal in ‚euer’ Zimmer, nehmt euch ein Kissen und schreit rein. Haltet durch! Rennt nicht mit dem Kopf gegen die Wand! Irgendwann sind auch wir erwachsen, und wenn wir mal Kinder haben, dann werden wir euch sicher verstehen.“

Fazit

Die Auswahl der Antworten einzelner Teenies sowie die nachfolgende Zusammenfassung dessen, was insgesamt auf die Fragen geantwortet wurde, stammen vom Autor. Manchem Leser mag das zu wenig objektiv sein. Auch die Erhebung des Antwortmaterials hält sicher keinem Anspruch auf statistische Verwertbarkeit stand. Insgesamt ist das Buch leicht zu lesen und humorvoll, wer aber tiefer in die Materie eintauchen möchte oder Tipps von Pädagogen erwartet, sollte sich nach geeigneteren Elternratgebern umsehen.

Autorin: Nikola Materne
 

Titel

Wie Teenies ticken.
111 Fakten, die aus allen Eltern Teenie-Versteher machen


© Schwarzkopf & Schwarzkopf (2007)
Autor
Hauke Brost
Zielgruppe betroffene Eltern
Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf (2007)
Kategorie Taschenbuch / Ratgeber
ISBN-Nummer 3896027700
Preis 9,90 €