Reihe Ernährung Teil 12 - Mittagessen in der Schule

Deutschland in puncto Ganztagsbetreuung noch "Entwicklungsland"

International ist das Schulessen schon längst eine Selbstverständlichkeit. So gehört zum Beispiel in Frankreich zu jeder Schule eine Mensa. In Deutschland gibt es inzwischen auch immer mehr Ganztagsschulen und Betreuungsangebote über Mittag. Schulleitungen, Schulträger, Lehrer, Eltern und Schüler werden in zunehmendem Maße mit der Umstellung ihrer Schulen auf Ganztagsschulangebote konfrontiert, sind aber bisher nur wenig auf die damit verbundenen Erfordernisse vorbereitet. Und einheitliche Richtlinien, die die Güte des Schulessens sichern, gibt es bislang auch nicht. Dabei ist es ungemein wichtig, dass die Schüler nach einem ganzen Vormittag in der Schule wieder Energie tanken und gesunde, reichhaltige Nahrung zu sich nehmen. Hier probiert Paula auch mal, anders als zu hause, ob Erbsen wirklich so ekelig schmecken. Anton lernt den Unterschied zwischen Brokkoli und Blumenkohl und Helena hat die Chance, Vitamine in Form von Salat, Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Das Schulessen kann helfen, Kindern eine ausgewogene Ernährung näher zu bringen. Außerdem ist es ein ideales Forum, den Schülern über den Schulunterricht hinaus soziale Kompetenz zu vermitteln. Das Mithelfen beim Auf- und Abräumen gehört ebenso dazu wie Tischmanieren, Höflichkeit und das Einhalten einer klaren Zeit, die nur zum Essen gedacht ist. Gibt es eine eigene Küche, können die Schüler auch in den Prozess des Kochens mit einbezogen werden. Für viele Eltern setzt aber der Geldbeutel klare Grenzen, das Schulessen darf einfach nicht zu teuer werden. Hier sind die Kommunen gefragt, die durch Zuschüsse den Preis senken und die Qualität sichern können. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer stellten jüngst ihren Aktionsplan „Fit statt fett“ vor. Da gerade in jungen Jahren die Grundlage der Ernährung gelegt werde, müsse ein gesünderer Umgang mit dem Essen ein "wichtiger und regelmäßiger Bestandteil" der Schule sein, so Seehofer. Deshalb lautet ein Punkt ihres Fünf-Punkte-Plans: „Das Essen in Schulen, Firmenkantinen, Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen soll gesünder und ausgewogener werden. Dazu sind Qualitätsstandards in Planung.“ Wenn das Essen dann auch noch für alle erschwinglich ist, können sich Schüler wie Eltern auf den Mittagsschmaus freuen.
Dabei ist es ungemein wichtig,
dass die Schüler nach einem ganzen Vormittag in der Schule wieder Energie
tanken und gesunde, reichhaltige Nahrung zu sich nehmen.
 

Nicht in jeder Schule gibt es gutes Mittagessen

Im schlechtesten Fall fühlt sich keiner so recht für gutes Essen in der Schule verantwortlich. Dann wird es zum Beispiel von einem Catering-Service angeliefert und dümpelt schon ewig in Warmhalteboxen herum. Es gibt zuviel Fleisch, zu wenig Frischkost, das Essen ist zu fett. Außerdem findet man darin Farb- und Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Leider in deutschen Ganztagsschulen eher die Regel als die Ausnahme. Besser sind da Schulen dran, die über eine Mischküche verfügen, in der Teile des Essens frisch zubereitet werden können, noch besser Schulen mit einer kompletten Küche, die darin einen Pächter beschäftigen. Engagierte Schulen versuchen, das Essen selbst zu organisieren und eine gute Außenversorgung zu finden bzw. eigene Kochmöglichkeiten aufzubauen. Eine Variante, die allerdings ein großes Eigenengagement der Eltern und Lehrer erfordert, ist der Mensaverein. Hier werden die Kriterien für gutes Essen festgelegt und die Versorgung dann selbst organisiert und finanziert. Der Mensaverein hat den Vorteil, dass er im Gegensatz zur Kommune nicht an den BAT-Tarif gebunden ist. Er kann sich sein eigenes „Gehaltsgefüge“ schaffen und hat keine Schwierigkeiten, auch Minijobs zu vergeben. Familien, die sich das Mensaessen nicht leisten können, werden vom Verein unterstützt. Zur Zeit kocht also jede Schule noch ihr eigenes Süppchen. Um die Verpflegung von Schülern und Lehrern an Ganztagsschulen zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) das Projekt „Verpflegung in Ganztagsschulen“ ins Leben gerufen – initiiert und finanziert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft . Sie bietet im Rahmen der Kampagne „KINDER LEICHT – Besser Essen. Mehr bewegen.“ einen kostenlosen Beratungs- und Informationsservice für Schulen an. Das Projektteam von „Schule + Essen = Note 1“ steht allen Beteiligten der Schulverpflegung als Kompetenzcenter zur Verfügung und dient als Schnittstelle zur Vernetzung für alle, die eine Schulverpflegung anbieten oder zukünftig anbieten möchten

Sehr unterschiedlich sind die Wünsche und Ansprüche, die Schüler und Eltern an das Schulessen stellen.

Wie sollte ein gutes Schulessen sein?

Das Schulessen sollte einen Kompromiss aus den Bedürfnissen aller bieten. Sinnvoll ist es, Süßes und Speisen wie Hamburger nicht ganz zu verbannen. Hier kommt es auf die Menge und die Zubereitung an. Kinder freuen sich über einen „Wahltag“, an dem sie sich ihre Leibspeise, zum Beispiel im Klassenverband, wünschen dürfen. In jedem Fall sollte das Essen vielfältig und nicht zu fettreich sein. Lieber weniger Fleisch und mehr frisches Obst und Gemüse. Auch ein Fischtag in der Woche ist sinnvoll. Ökotrophologie –Studenten der Hochschule Niederrhein haben jetzt unter der Leitung von Professor Volker Peinelt ein Zertifikat entwickelt, mit dessen Hilfe Essensanbieter seriös bewertet werden können. Anbieter, die sich um das drei Jahre gültige Zertifikat bewerben, schließen einen Vertrag mit der Hochschule ab. Sie erklären sich bereit, einen 200 Fragen umfassenden Katalog zu beantworten. Hier geht es um die Speisenproduktion, den Transport und die Behandlung der Speisen an der Ausgabe. Außerdem werden die Vielfältigkeit und Abwechslung des Speiseplans, sowie Hygiene und Vollwertigkeit der Speisen überprüft. Auch die Ökologie ist wichtig für den Erhalt des Zertifikats. So sollten so viele Nahrungsmittel wie möglich aus der Region kommen und mindestens zehn Prozent Bioprodukte sein. Die Ökotrophologen überprüfen die Antworten vor Ort. Entdecken sie einen Betrug, kostet das 5000 Euro und das Zertifikat wird nicht vergeben. Sind alle Kriterien zur Zufriedenheit erfüllt, erhalten die Zertifizierten eine bis drei „Kochmützen“ als Auszeichnung und werden im Internet veröffentlicht. Schulen können sich dann dort informieren und so einen wirklich guten Anbieter finden. Dieses Beispiel könnte auch in anderen Bundesländern Schule machen und die Qualität des Mensaessens sichern, bevor langwierige staatliche Richtlinien beschlossen sind.
Die Ökotropholen überprüfen die Antworten vor Ort.
Entdecken sie einen Betrug, kostet das 5000 €
und das Zertifikat wird nicht vergeben.

Interessante Links zum Thema:

http://www.kinder-leicht.net
Informationen rund um die Kampagne „Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT.“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

http://www.schuleplusessen.de/cms/front_content.php?idcat=17
Ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) im Rahmen der Kampagne "Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT".

http://www.ernaehrungundbewegung.de/
Die Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb) bündelt eine Vielzahl gesellschaftlicher Kräfte, die sich aktiv für eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung als wesentliche Bestandteile eines gesundheitsförderlichen Lebensstils bei Kindern und Jugendlichen engagieren.

Autorin: Nikola Materne