Wenn Konflikte mit dem pubertierenden Nachwuchs zur Autoritätsfalle werden...

Pubertierende Jugendliche können im Handumdrehen geltende Erziehungsregeln außer Kraft setzen. Was immer klar war, wird plötzlich ignoriert. Geltende Regeln werden einfach überschritten, das Veto der Eltern nur müde belächelt. Eltern fühlen sich in diesen Situationen oftmals einfach nur ohnmächtig und aus der letzten Not heraus, wird in der Autoritätskiste gekramt und genau die Sprüche rezitiert, die noch von den eigenen Eltern in die Tiefen des Gedächtnisses gebrannt sind.
Und wenn dann die Sprüche und Erziehungsmethoden aus der Steinzeit aus dem eigenen Mund rausgesprudelt sind, sitzt die Scham tief. Altbackenes Autoritätsverhalten ist out, niemand möchte das partnerschaftliche und harmonische Verhältnis zu seinem Kind durch Härte und Gnadenlosigkeit aufs Spiel setzen.

Für Eltern mit pubertierenden Kindern ist es daher immer wieder wichtig, zu verstehen, warum dauernd Konflikte auftreten. Pubertierende testen sich aus, wollen sich an der Welt und vor allem an ihren Eltern reiben. Der Schweizer Schriftsteller Hugo Weyermann schreibt dazu in seinem humorvollen Text „Vorsicht Pubertät!“ sehr treffend: „Der Sturm des pubertierenden Kindes ist das Diplom für seine Eltern.“

Die Ablösung von den Eltern, das Erwachsenwerden fällt umso intensiver aus, je stärker die Bindung zu den Eltern ist. So unglaublich also die Gefühlswallungen eines Kindes sein mögen, so unaufhaltsam seine ständige Suche nach Konflikten mit den Eltern ist, zeigt doch beides nur eines auf: Pubertierende Kinder suchen die Nähe ihrer Eltern, fordern Verständnis und Rückhalt für diese schwierige Zeit.

Um den Stürmen der Pubertät erzieherisch sinn- und vertrauensvoll begegnen zu können, sollten Eltern versuchen, auf ungehaltene autoritäre Wutausbrüche zu verzichten. Ihr Kind lernt den Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit zu Streiten auch zu großen Teilen durch ihr Vorbild. Dabei kann und muss Autorität stattfinden, dies jedoch in einem möglichst ruhigen und sachlichen Rahmen.
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Solange du deine Füße unter meinen TIsch stellst...!

Wenn ein Konflikt anschwellt:

  • Ruhe bewahren. Lassen Sie Ihr Kind in Ruhe aussprechen und seine Wünsche oder Forderungen formulieren, mögen sie auch noch so ungerechtfertigt sein.
  • Schenken Sie ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Fernseher wird ausgeschaltet, Geschwisterkinder dürfen sich nur nach Aufforderung einmischen.
  • Fragen Sie ruhig nach: „Habe ich dich richtig verstanden? Du möchtest nicht, dass Papa im Garten rote Gummistiefel trägt, weil du das peinlich findest?“ Auf diese Weise wird den Jugendlichen oft schon klar, ob ihre Forderung passend oder einfach überflüssig ist.
  • Lassen Sie sich bei klaren Grenzen nicht auf Diskussionen ein. Die Ausgehzeit für die Disko sollte in einem kurzen Satz erklärt werden. Dann ist Schluss. Wenn der Nachwuchs tobt, sollten sie in keinem Fall nachgeben.
  • Bei hysterischen Wutanfällen des Nachwuchses sachlich bleiben: „Ich kann verstehen, dass du wütend/sauer/traurig bist, aber so können wir nicht miteinander reden. Beruhige dich und dann sprechen wir uns wieder.“
  • Nicht zurückschimpfen: Auch wenn es schwer fällt, bei Beleidigungen ruhig zu bleiben, versuchen Sie es. Anstatt zurück zu schießen, benennen Sie lieber Ihre Emotion: „Das verletzt mich! Auf diese Weise kommen wir nicht zueinander.“
  • In Entscheidungsfragen, z.B. über Ausgehzeiten oder Urlaubsfahrten, können Sie sich Bedenkzeit erbeten. So beugen Sie Kurzschlussreaktionen und einem vorschnellen „Nein“ vor und zeigen dennoch deutlich, wer die Entscheidungsgewalt hat.
  • Richten Sie einen „Familienrat“ ein: Alle Familienmitglieder setzen sich an einen Tisch und das Problem wird gemeinsam erörtert. Der Reihe nach kann nun der persönliche Blickwinkel vorgetragen werden und gemeinsam nach einem Kompromiss gesucht werden. Der Familienrat oder Familientisch eignet sich auch bestens als festes Ritual.

Zum weiterlesen:

Hugo Weyermann „Vorsicht Pubertät“ http://www.undsoweiter.ch/tx_pubertaet_frame.htm Autorin: Bettina Levecke
Verzichten Sie auf autoritäte Wutausbrüche. Ihr Kind lernt den Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit zu Streiten auch zu großen Teilen durch ihr VOrbild. Dabei kann und muss Autorität stattfinden, dies jedoch in einem möglichst ruhigen und sachlichen Rahmen.