Papa, wir brauchen Dich! Die Rolle des Vaters in der Pubertät

Die Pubertät der Kinder zeigt Vätern oft schmerzhaft auf, wie schnell die Zeit vergangen ist. Aus dem süßen Klein- und Schulkind ist ein Jugendlicher auf dem Weg in die Erwachsenenwelt geworden. Und obwohl sich heute dreiviertel aller Väter in der Erziehung der Kinder engagieren und viel Zeit mit den Kindern verbringen, ist dieser Entwicklungsschritt immer wieder eine schwierige Phase. Besonders Väter, die stark in den Beruf eingebunden sind, erleben nun, dass sie doch einiges verpasst haben. Viele wichtige Fragen klären Söhne und Töchter lieber mit der Mutter, seien es die Fragen über die sexuelle und körperliche Entwicklung oder die Ängste und Unsicherheiten gegenüber der Zukunft. Und so haben viele Väter das Gefühl, nun außen vorzustehen, keinen Einfluss mehr zu haben, irgendwie „überflüssig“ zu sein.

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Väter sind in der Pubertät ganz wichtig. Sie geben den Kindern Halt und Orientierung, schenken mit Vertrauen und Zuneigung Selbstbewusstsein und ein gutes Gefühl. Doch dann und wann müssen sie auch als Reibungsfläche herhalten, Machtspiele ausfechten und die eigene Autorität in Frage stellen lassen. Keine einfache, aber eine sehr wichtige Zeit.
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"Doch Väter müssen auch als Reibungsfläche herhalten, Machtspiele ausfechten und die eigene Autorität in Frage stellen lassen. Keine einfache, aber eine sehr wichtige Zeit."

Vertrauen und Respekt

Die sexuelle und körperliche Entwicklung während der Pubertät ist für die Jugendlichen eine aufregende, spannende, aber auch unsichere Zeit. Sie brauchen nun positive Vorbilder durch Mutter und Vater, um ein gutes, eigenes Selbstbild zur sexuellen Identifikation aufbauen zu können. Für Väter bedeutet das: loslassen lernen. Die Annahme der sexuellen Entwicklung des eigenen Kindes bedeutet Abschied nehmen von der Kindheit. Aus dem verschmusten Kind wird eine erwachsene Frau, ein erwachsener Mann. Für diesen Weg brauchen die Jugendlichen nun Vertrauen und Respekt. Mädchen wünschen sich in dieser Zeit, vom Vater in ihrer Weiblichkeit wahrgenommen zu werden: Ein nettes Kompliment zum neuen Outfit kann hier wahre Wunder bewirken, die Tochter fühlt sich angenommen und akzeptiert – eine Wohltat für das labile Selbstbewusstsein Pubertierender. Denn: Der Vater steht für die männliche Welt, nimmt er die Tochter positiv wahr, entsteht ein bestärkendes Signal: Ich bin in Ordnung, meine Entwicklung ist in Ordnung.
  • Vertrauen Sie Ihrem Kind, zeigen Sie Interesse an Hobbies, Freunden und auch der Kleidung. Ein Vater, der gemeinsam mit seiner Tochter shoppen geht und sich hier aufgeschlossen zeigt, wird großes Vertrauen und Glück ernten können.
  • Respektieren Sie die Rückzugsphasen Ihres Kindes: Klopfen Sie an die Zimmertür, bevor Sie eintreten, ermöglichen Sie ungestörte Telefonate mit Freunden, überwachen Sie nicht den Diskobesuch Ihres Kindes durch vorzeitige Präsenz.
  • Üben Sie Toleranz: Die laute Musik, seltsame Modeerscheinungen, verrückte Freunde – bleiben Sie gelassen und erinnern Sie sich: Wie haben Sie sich in Ihrer Pubertät verhalten? Waren Ihre Eltern immer glücklich mit Ihrer Entwicklung?
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Zeit für Gespräche

Dem Vater vom ersten Kuss erzählen? Vom ersten Alkoholrausch oder der Angst vorm ersten Mal? Besonders Mädchen trauen sich oft nicht, mit dem Vater intime Details auszutauschen. Sie haben Angst vor Ablehnung, vor Verboten und davor, nicht ernst genommen zu werden. Tatsächlich ist es für Väter häufig schwer zu akzeptieren, dass die Tochter nun von einem fremden, jungen Mann angefasst wird. Viele Ängste sind damit verbunden: Ist der Freund auch gut genug für meine Tochter? Wird sie vielleicht nur ausgenutzt?
Eine vertrauensvolle Basis zum Vater ist für Jugendliche eine wichtige Grundlage: Der starke Rückhalt schafft Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein. Doch eine gute Kind-Vater- Beziehung in der Pubertät ist nicht von heute auf morgen zu erreichen. Schenken Sie Ihrem Kind Schritt für Schritt Vertrauen:
  • Planen Sie gemeinsame Unternehmungen. Wozu hat Ihr Sohn oder Ihre Tochter Lust? Was könnten Sie zu zweit regelmäßig ganz alleine unternehmen?
  • Haben Sie immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte Ihres Kindes.
  • Lassen Sie Ihr Kind ausreden, hören Sie aufmerksam zu. Anstatt sofort mit Ratschlägen zu belehren, versuchen Sie einfach, sich in die Lage Ihres Kindes zu versetzen: „Ich verstehe, du machst dir also Sorgen, weil…“. Versuchen Sie, Lösungen gemeinsam zu finden: „Welche Lösung schwebt dir vor? Hast du eine Idee? Mir fällt Folgendes ein…“.
  • Ihr Kind hat Mist gebaut und Sie könnten sich nun fürchterlich aufregen. Zeigen Sie Ihrem Kind ruhig, dass Sie sauer sind, aber verlegen Sie das klärende Gespräch auf einen Zeitpunkt, an dem Sie sich wieder beruhigt haben.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass auch Sie nicht erwachsen auf die Welt gekommen sind. Geschichten über die Jugend des Vaters zeigen Ihrem Kind, dass auch Sie nicht fehler- und angstfrei durch die Pubertät gegangen sind.
  • Sparen Sie nicht mit Lob und Anerkennung, zeigen Sie Ihrem Kind, dass sie stolz sind über die Leistungen in der Schule, über seine Entwicklung und überhaupt: Wann haben Sie das letzte Mal zu Ihrem Kind gesagt: Ich liebe dich?
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Bleiben Sie gelassen und erinnern Sie sich: Wie haben Sie sich in Ihrer Pubertät verhalten? Waren Ihre Eltern immer glücklich mit Ihrer Entwicklung?

Zum weiterlesen:

Titel
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Titel
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Was Ihr Sohn nur von Ihnen lernen kann.

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Autor
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Autorin: Bettina Levecke