Mädchen im Schlabberlook

Kleidung schützt!

Die Phase des „Gammellooks“ hat schon Generationen von Eltern in Debatten mit ihren Kindern manövriert. Kein Grund zur Sorge also, denn: Die übergroßen Klamotten sind eine Hilfe in der Pubertät – die Mädchen suchen diese Form der Bekleidung, um sich wohler in ihrer Haut zu fühlen.

Eine komische Marotte – sicher. Doch nur begreiflich, wenn man den Hintergrund versteht. Mit Beginn der Pubertät verändert sich plötzlich der Körper, die Figur wird weiblich. Doch die körperliche Reifung zur Frau steht oft im Gegensatz zur seelischen Entwicklung. Der Körper ist schneller als der Kopf. So fühlen sich Mädchen mit 12-14 Jahren in ihrem weiblichen Körper oft nicht wohl. Innerlich noch Kind, erleben sie nun Veränderungen, mit denen sie sich nicht identifizieren können. Die Weiblichkeit, das Wachsen der Brust, die breiteren Hüften, all diese Veränderungen sind den Mädchen unangenehm. Das unbeschwerte Toben auf dem Spielplatz mit den Jungen aus der Nachbarschaft ist nun plötzlich unangenehm, denn die ersten Kommentare oder Blicke auf die weiblichen Formen zeigen: Ich bin jetzt anders und ich werde anders wahrgenommen.
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Plötzlich alles anders!

schlabberlook_girl1Vielen Mädchen geht das alles einfach zu schnell. Und so verstecken sie sich in weiten Pullis, Hemden und Hosen. Auch die dunklen Farben sind Ausdruck ihrer inneren Befindlichkeit. Buntes, Helles und Gemustertes wäre ein Zeichen für Offenheit und Fröhlichkeit. Mit Schwarz lässt es sich leichter abgrenzen: „Ich muss jetzt mehr für mich alleine sein!“ Mit dem Schlabberlook verändern Mädchen auch häufig ihr Verhalten gegenüber Eltern und Geschwistern. Nun wird viel Zeit alleine im Zimmer verbracht, Musik gehört und gelesen. Manche Mädchen schreiben nun seitenweise Tagebuch, verarbeiten so ihre Ängste und Sorgen über die körperliche Entwicklung. Die Haare hängen ins Gesicht, die Mundwinkel oft herab. Depressive Verstimmungen, Gefühlsschwankungen zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt wechseln sich ab: Die Hormone spielen verrückt und die innere Balance zwischen Körper und Geist muss erst gefunden werden.
 

Keinen Druck machen!

Eltern sollten in dieser Phase der Veränderung ihrer Tochter keinen Druck machen. Auch wenn es schwer fällt, die hübsche Tochter plötzlich in Sack und Asche zu sehen, schenken sie Ihr die Freiheit, die sie braucht. Je mehr Eltern an der Kleidung der Tochter herum meckern, desto größer wird der innere Druck. Das Selbstbewusstsein der jungen Mädchen ist besonders in dieser Zeit ein zartes Pflänzchen, dass viel Bestätigung und sozialen Halt braucht, um wachsen und gedeihen zu können. Wenn Eltern Ihrer Tochter zeigen, dass Sie auch mit dieser Klamottenmarotte ein toller Mensch ist, wird sich diese Phase schnell von selbst wieder erledigen.
Das unbeschwerte Toben auf dem Spielplatz mit dem Jungen aus der Nachbarschaft ist nun plötzlich unangenehm.

Zum weiterlesen:

Renate Eder: Ihr versteht mich einfach nicht! Kinder durch die Pubertät begleiten

Pubertät ist Stress - für Kinder und Eltern, doch Positive Parenting erleichtert beiden Seiten diese schwierige Entwicklungsphase. Renate Eder erklärt, was für die Heranwachsenden neu ist und was für sie jetzt plötzlich wichtig wird. Und sie zeigt den Eltern, wie sie den Grenzüberschreitungen ihrer Sprösslinge sicher und positiv begegnen können: mit Geduld, Toleranz und Authentizität - und als kompetente, unterstützende Gesprächspartner.

Renate Eder ist Journalistin und lebt in München. Sie schreibt – u.a. für die Süddeutsche Zeitung – v.a. über Themen in den Bereichen Eltern & Kind und Lebenshilfe.

Titel
Ihr versteht mich einfach nicht!
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© Knaur Verlag 2006
Autor
Renate Eder
Zielgruppe Eltern
Verlag Knaur Verlag
Kategorie Ratgeber - Sachbuch
ISBN 3-426-66915-3
Preis 14,90 €


Autorin: Bettina Levecke