1-3 Jahre: Vom Baby zum Kleinkind

Wow, schon ein Jahr! Alle Eltern staunen am ersten Geburtstag ihres Kindes, wie schnell die Zeit verflogen ist. Letztes Jahr lag da noch ein zartes, hilfloses Baby, jetzt steht da bereits ein kräftiges, properes Kind auf wackligen Beinen und schaut neugierig und offen in die Welt. Jetzt beginnt die Phase des großen Entdeckerdrangs!

Ich will alles!

Stellen Sie sich seelisch darauf ein: Die nächsten Monate werden Sie viel hinter Ihrem Kind herlaufen müssen. Kinder ab einem Jahr sind Energiebündel und Wirbelwinde - sie wollen alles sehen und entdecken, stecken bis in die Haarspitzen voll mit Lebenslust. Eltern müssen jetzt begleiten und beobachten, ihr Kind vor den Gefahren der Umwelt, vor Straßen, heißen Töpfen, Hunden, Scheren und Messern beschützen. Kinder dieses Alters kennen keine Grenzen, sie leben in ihrer Welt und die kennt keine Grenzen.
Zwei Jungen
 

Ich habe eine Meinung

Ab einem Jahr wissen Kinder über viele alltägliche Abläufe schon genau Bescheid. Sie wissen, in welcher Schublade die leckeren Kekse liegen, sie wissen, dass Mama wieder an ihnen rumwerkelt, wenn sie auf den Wickeltisch gehoben werden. Und sie äußern direkt und unverblümt, was sie davon halten. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt das Abenteuer Trotzanfall, das allen Mamas und Papas dieser Welt den Schweiß auf die Stirn treibt. Denn so ein kleiner Wirbelwind kann Kraft kosten - sowohl mental als auch körperlich. Eltern sind gut beraten, diese Schrei- und Protestattacken mit liebevoller Ruhe "durchzustehen". Das plötzliche Gewitter ist ein Zeugnis darüber, dass ihr Kind Grenzen erkennt - diese aber nicht akzeptieren will und kann. Denn: Für Kinder ist die Welt magisch, schier grenzenlos - das überfordert auch dann und wann. Trost gibt es dann nur in Form von Liebe und beruhigenden Worten und Durchhaltevermögen: Die gesetzten Grenzen müssen verständnisvoll, aber konsequent eingehalten werden.
Kinder dieses Alters kennen keine Grenzen, sie leben in ihrer Welt und die kennt keine Grenzen

Die Loslösung

kind_krabbelt Erst das Krabbeln, dann das Laufen - die steigenden motorischen Entwicklungen erlauben Kindern mehr Eigenständigkeit. Sie können von den Eltern wegkrabbeln oder laufen, sich verstecken oder - sehr beliebt - fangen spielen. Der Wechsel zwischen starker Nähe (Bindung) und Loslösung ist jetzt alltäglich zu beobachten. Und es ist ein wichtiger Prozess, lernen sich die Kinder nun langsam selbst als eigenständige Person wahrzunehmen. Und sie lernen auch, auf die Eltern zu vertrauen, denn Mama ist immer noch bei mir, auch wenn ich alleine weitergehe. Dieses Wissen stärkt und formt das Urvertrauen in die Welt und liefert damit die Basis für Selbstvertrauen und innere Stärke.
 

Gib mir Vielfalt!

Die Vernetzung der Gehirnnerven ist mit dem Ende des dritten Lebensjahres fast abgeschlossen. Dabei bleibt nur bestehen, was auch gebraucht wird. Nervenbahnen, die nicht genutzt werden, lösen sich auf und sind auch nicht wieder herzustellen. Das zeigt, wie wichtig es ist, das Kind in den ersten drei Jahren vielfältig zu fördern. Die Vernetzung kann nämlich nur dann optimal verlaufen, wenn das Kind Anregungen bekommt. Und zwar für alle Sinne, also motorisch, visuell, sensorisch, olfaktorisch… Eltern müssen dafür nicht Tonnen von Spielzeug besorgen, sondern sich nur regelmäßig Zeit und Geduld nehmen, sich mit ihrem Kind zu beschäftigen. Die Steine am Wegesrand, Blätter, andere Menschen auf der Straße, die Töpfe im Küchenschrank, Mamas Kette - allein der Alltag bietet Anregung in Hülle und Fülle. Wichtig ist es, den eigenen Anspruch dabei zu reduzieren und den eigenen Alltag etwas zu entschleunigen.
 

Ich brauche Sicherheit

Heute bei Mama, morgen bei Oma, übermorgen in der Krippe und dann bei der unbekannten Tante Anna? Lieber nicht! Achten Sie darauf, dass Ihr Kind einen möglichst beständigen Kreis bekannter Bezugspersonen hat. Das schenkt Sicherheit. Fremde Personen und Umfelder machen den Kindern Angst - zumindest wenn Mama oder Papa nicht dabei sind.
Fremde Personen und Umfelder machen den Kindern Angst

Ich lerne aus Wiederholung

Lernen findet über Wiederholung statt. Wenn Reize und Ereignisse immer wieder passieren, können daraus bald Lern Lernerfahrungen gewonnen werden. Achten Sie deshalb auf feste Rituale, z.B. bei den Mahlzeiten, beim Ins-Bett-Bringen, beim Spaziergang (erst die Schuhe, dann die Jacke, dann die Mütze….). So verinnerlichen Kinder Alltagsprozesse. Sprechen Sie auch möglichst viel mit Ihrem Kind, beschreiben Sie die Dinge, die Sie machen. Kinder übernehmen nicht nur komplett die Sprache der Eltern, sie imitieren auch Redewendungen, Sprachmelodien, dialektische Einschläge und anderes mehr. Die Reichhaltigkeit des sprachlichen Ausdrucks wird von den Eltern maßgeblich geprägt. Kinder, die in einem Haushalt aufwachsen, in dem ein ansprechendes Sprachniveau besteht, können sich über Sprache besser ausdrücken und erzielen damit einen lebenslangen Vorsprung gegenüber Kindern, die diese Anregungen nicht erfahren konnten.
 

Ich will Erfahrungen machen!

Heiß, kalt, nass, rutschig, laut - der Sinn dieser Wörter ist uns Erwachsenen sofort klar. Ein Kleinkind weiß nicht, was "heiß" ist, es weiß nicht, dass die "tiefe" Stufe falsch genommen zu Schmerzen führt. Eltern sollten deshalb auf eine Balance zwischen Beschützen und Erfahrungen sammeln achten. Es ist wichtig, dass Kinder Gefahren einschätzen lernen, das können sie aber nur, wenn wir sie - natürlich sicher und beschützt - einmal in die Nähe der Gefahr gehen lassen. Kinder dürfen ihren Finger auf Mamas Arm in die Richtung des heißen Backofens halten. Betonen Sie jetzt das Wort "heiß" ganz besonders deutlich. Ihr Kind wird das Wort mit der Erfahrung verknüpfen und auch bei anderer Gelegenheit den Sinn einer Warnung wieder abrufen können.

Autorin: Bettina Levecke
kind_am_herdEltern sollten deshalb auf
eine Balance zwischen
Beschützen und
Erfahrungen sammeln
achten.

Buchtipps zum Weiterlesen:

Titel Das Baby-Entwicklungsbuch
bu1
© Trias 2009
Autor Thomas Baumann
Zielgruppe Eltern
Herausgeber Trias; Auflage: 1., Aufl.
(2009)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 19,95 €

Titel Die ersten fünf Jahre im Leben eines Kindes
bu2
Autor Richard Michaelis
Zielgruppe Eltern
Herausgeber Trias; Auflage: 1., Aufl.
(2006)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 19,95 €