Faszination LAN-Partys – Der Treffpunkt für jugendliche Spielefreaks!

“Ciao Mama” spricht der Sohn, packt seinen Computer ein und verschwindet für zwei Tage auf einer LAN-Party. “LAN-Party...” grübelt die Mutter nun - eine Fete mit Computern? Was passiert da eigentlich?
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Frau Sundermeyer:

Frau Sundermeyer: "Der Begriff LAN steht für “Local Area Network”, ein räumlich begrenztes Computer-Netzwerk. Die Jugendlichen treffen sich mit eigenen Computern, um diese zu einem Netzwerk zu verbinden und Multiplayer-Spiele zu spielen."

Dabei reicht die Spannweite von kleinen privaten Treffen im Freundeskreis bis zu großen, organisierten öffentlichen LAN-Partys mit bis zu 5000 Spielern. Die Dauer einer LAN-Party variiert von einigen Stunden bis über mehrere Tage.
Zentrale Bedeutung hat dabei für die Jugendlichen nicht nur das Spielen selbst, sondern auch die technische Herausforderung, die der Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes darstellt.
Bei öffentlichen LAN-Partys, die in der Regel kostenpflichtig sind, organisiert der Veranstalter Schlaf- oder Ruhemöglichkeiten, das Catering, sanitäre Einrichtungen und ist verpflichtet, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen– von der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes bis zur Bereitstellung ausreichender Fluchtwege oder Bereitstellung eines Sanitätsdienstes.
Das Spielen selbst hat sich im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt und ist vergleichbar mit sportlichen Wettkämpfen ( E-Sport). Die Spieler schließen sich zu Teams (Clans) zusammen, die gemeinsam trainieren und dann auch im Rahmen eines Turniers auf einer LAN-Party gegen andere Teams antreten. Manche Turniere sind mit hohen Preisgeldern verbunden und einzelne Spieler werden wie Spitzensportler gezielt von Sponsoren gefördert und von ihren Fans bewundert.
In Deutschland dürfte der Schwerpunkt aber bei privaten LAN-Partys und kleineren bis mittleren organisierten Partys liegen. Auf zahlreichen Internetseiten kann man einen Einblick in die LAN-Szene erhalten – die großen öffentlichen Veranstaltungen werden dort bekannt gegeben, man findet Hinweise zu rechtlichen Voraussetzungen, Hinweise für Veranstalter, Kommentare zu vergangenen Veranstaltungen und vieles mehr.

SE: " Eltern fragen sich immer wieder: “Wenn mein Kind auf so eine Veranstaltung geht und Stunden und Tage vor dem Computer sitzt, nimmt es dann nicht Schaden?”
 
Frau Sundermeyer: "Die Frage, ob und inwieweit es schädlich sein kann sich lange Zeit vor dem PC aufzuhalten, wird diskutiert, seit es den PC gibt und erst recht, seit es die PC-Spiele gibt. Diese Frage wird auch sicher immer aktuell bleiben, denn sie lässt sich nicht allgemeingültig beantworten.
Ich denke, dass es in diesem Zusammenhang wichtig ist, die gesamte Persönlichkeit und das Umfeld des Kindes zu berücksichtigen. Plakativ gesagt: Ein persönlich stabiles Kind mit einem guten und vertrauensvollen Verhältnis zu seinen Bezugspersonen und mit weiteren altersgemäßen Interessen wird weniger gefährdet sein, da es genügend Möglichkeiten hat, Gefühle und Erfahrungen mitzuteilen und auch andere Alternativen der Lebens- und Freizeitgestaltung nutzt."

SE: "Und wie schätzen Sie den Einfluss von gewaltverherrlichenden oder ähnlich umstrittenen Spielen ein?"

Frau Sundermeyer: "Ähnlich wie beim Zeitumfang. Auch bei der Nutzung von Spielen, die Gewaltdarstellungen beinhalten oder in denen der Einsatz von Gewalt wesentliches Element der Spielhandlung ist, ist die Persönlichkeit des Kindes entscheidend.
Ein großer Teil der Spieler bekräftigt, dass der Unterhaltungswert oder die strategischen Herausforderungen des Spiels im Vordergrund stehen und nicht die virtuelle Ausübung von Gewalt den Reiz darstellt. Es ist bislang jedenfalls nicht bewiesen, dass das Spielen von zum Beispiel “Ego-Shootern” die eigene Gewaltbereitschaft von Kindern erhöht oder sie unsensibel werden lässt gegenüber realen Gewalthandlungen. Manche Spieler bezeugen im Gegenteil eher, dass das Spielen dieser Spiele eine gute Möglichkeit ist, sich abzureagieren und den realen Alltagsfrust loszuwerden.
Bei sozial isolierten Kindern und Jugendlichen mit einem niedrigen Selbstbewusstsein liegt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie gewalthaltigen Medieninhalte attraktiv finden, höher als bei Kindern und Jugendlichen aus einem intakten Umfeld.
Wichtig ist, sich zu vergewissern, worin der Reiz einer LAN-Partie für das Kind liegt. Denn eine LAN-Party lässt sich nicht reduzieren auf “stundenlang sitzen und stumpf auf die Tasten hauen” sondern erfordert auch in hohem Maße Fähigkeiten wie Konzentration, Reaktionsvermögen, strategisches Denken, Kommunikation im Team sowie technisches Verständnis.
Insgesamt ist aber schon darauf zu achten, dass Bewegung und ausreichende Ruhepausen nicht zu kurz kommen."

SE: " Viele Eltern befürchten, dass ihr Kind gerade über die LAN-Partys an verbotene oder gewaltverherrlichende Spiele gerät."
 
Frau Sundermeyer: "Diese Sorge ist sicher nicht unberechtigt, denn es gibt im Zusammenhang mit Internet und PC keine Möglichkeit, bestimmte Inhalte mit Sicherheit auszuschließen.
Bei öffentlichen LAN-Partys oder solchen, die von Trägern der Jugendhilfe oder Gemeinden organisiert werden, sind die Veranstalter zwar verpflichtet, die Bestimmungen des Jugendschutzes einzuhalten, wenn das Angebot sich an Minderjährige richtet, auch dürfen keine indizierten Spiele gespielt werden und es darf offiziell nur Originalsoftware genutzt werden. Dennoch lässt sich nicht völlig ausschließen, dass Teilnehmer/innen gerade größere Partys - die ja auch schwerer kontrollierbar sind - dazu nutzen, Software auszutauschen oder sich Spiele zu verschaffen, zu denen legal kein Zugang möglich ist.
Ganz wesentlich ist, mit dem Kind über seine Spielbegeisterung zu sprechen, sich zu erkundigen nach Lieblingsspielen, und diese evtl. selbst einmal auszuprobieren. Machen Sie ihrem Kind aber auch die gesetzlichen und ihre persönlichen Grenzen klar und erläutern Sie, weshalb manche Spiele möglicherweise nicht geeignet sind.
Eine gewisse Absicherung ist möglich, wenn man den jungen Spielern und Spielerinnen nur überschaubare, offiziell für Minderjährige ausgewiesene LAN-Partys erlaubt, bei denen eine gute Aufsicht gewährleistet ist. Bei privaten Partys sollten Sie in Kontakt mit den Eltern der Einladenden treten und besprechen, welche Spiele gespielt werden dürfen und wie eine Aufsicht möglich ist."

  SE: "Welche Sicherheitsvorkehrungen werden auf öffentlichen LAN-Partys getroffen?"

  Frau Sundermeyer: "Veranstalter müssen durch Anweisungen und gegebenenfalls behördliche Kontrollen und technische Vorkehrungen dafür sorgen, dass keine Raubkopien oder verbotene Spiele gespielt werden.
Die Organisatoren öffentlicher LAN-Partys, die auch für Minderjährige ausgeschrieben sind, müssen die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes einhalten, insbesondere müssen bezüglich der genutzten PC-Spiele die Altersbeschränkungen laut USK (Unterhaltungssoftware - Selbstkontrolle) befolgt, sowie die gesetzlichen .Vorgaben zu Alkohol- und Nikotinkonsum eingehalten werden.
Wenn die Veranstaltung sich über Nacht oder über mehrere Tage hinzieht, sollte eine möglichst schriftliche Einverständniserklärung der Eltern verlangt werden.
Die Aufsicht bei Partys mit Minderjährigen muss durch entsprechendes Personal gewährleistet sein."

SE: "Welchen Rat würden Sie Eltern mit folgendem Problem geben: “Unser fünfzehnjähriger Sohn will in den Ferien auf eine private LAN-Party bei Freunden. Vier Tage sind angesetzt, die Eltern des Freundes sind im Urlaub. Wir befürchten, dass es dort drunter und drüber geht. Was sollen wir tun?”
 
Frau Sundermeyer: "Letztlich obliegt es Ihrer persönlichen Einschätzung zum Verhalten ihres Sohnes und seiner Freunde, ob Sie dem Besuch der Party zustimmen können.
Sprechen Sie mit ihrem Sohn und auch mit dem Gastgeber über das Vorhaben. Welche Spiele können gespielt werden, wie viele Freunde kommen zu der Party?. Werden alle Freunde dort übernachten? Kennen Sie die Beteiligten gut? Können Sie einschätzen, ob und in welchem Maße z.B. Alkohol eine Rolle spielen wird?
Machen Sie Ihre Befürchtungen deutlich und erläutern Sie, dass Sie nur unter der Bedingung zustimmen, dass vorher getroffene Absprachen auch eingehalten werden. Machen Sie auch deutlich, dass Sie sich z.B. strafbar machen, wenn Sie zulassen, dass indizierte Spiele gespielt werden oder Sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen.
Treffen Sie Vereinbarungen mit Ihrem Sohn, z.B. zur Aufenthaltsdauer oder Übernachtung - vielleicht können ältere Freunde oder Geschwister ihren Sohn begleiten. Besuchen Sie zwischendurch die Party, um sich zu vergewissern, das alles in Ordnung ist.
Möglicherweise verabreden Sie, dass die Party besser bei jemandem stattfindet, dessen Eltern zu Hause sind und somit eine Aufsicht gegeben wäre."
 
SE: "Sind LAN-Partys Kult? Was macht den Reiz für die Jugendlichen aus?"

Frau Sundermeyer: "LAN-Partys sind inzwischen ein wichtiger Teil innerhalb der Jugendkultur, verbunden mit eigenen Bekleidungsstilen, Internetseiten, Vereinen, einem eigenen Sprachjargon und mit einer Szene von Vorbildern und der Ausprägung aktueller Trends im Bereich der Spiele, aber auch der Filme und der Musik.
Sicher sind sie auch deshalb Kult und – überwiegend bei Jungen - sehr beliebt, weil sie eine gute Möglichkeit bieten, sich von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen, denn allein technisch und sprachlich sind viele Erwachsene mit dieser Kultur überfordert.
Darüber hinaus liegt der Reiz natürlich zum Einen im Spielen – in der Möglichkeit, sich auf diese Weise mit Gleichaltrigen zu messen und in Wettstreit zu treten- zum Anderen steht die technische Herausforderung für sehr viele Spieler im Vordergrund – die eigene Ausrüstung zusammenzustellen, anderen zu zeigen, funktionsfähig zu machen, weiter auszubauen und nach individuellen Vorstellungen zu designen sowie das eigene technische „Knowhow“ stetig zu erweitern. Denn letztlich ist das auch ein Garant für Anerkennung und Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Gleichgesinnten.
Wenn Sie die Begeisterung ihres Kindes nachvollziehen wollen, zeigen Sie Interesse. Lassen Sie sich Begriffe erläutern, Spiele zeigen, probieren Sie selbst die Spiele aus und reden Sie mit ihrem Kind über seine Interessen und Erfahrungen."
Frau Sundermeyer, vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person von Claudia Sundermeyer:
SundermeyerVon der beruflichen Ausbildung ist Frau Sundermeyer Dipl. Sozialpädagogin. Sie arbeitet als Angestellte im Jugendamt Eschwege in der Abteilung Jugendförderung. Die Inhalte ihrer Arbeit sind dabei breitgefächert. Von finanzieller, organisatorischer und fachlicher Unterstützung von Jugendgemeinschaften und -zentren, über Ausbildung von JugendgruppenleiterInnen und FreizeitbetreuerInnen bis hin zu Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatoren in der Jugendarbeit.

Dieses Interview führte Bettina Levecke.
LAN-Party lässt sich nicht reduzieren auf stundenlang sitzen und stumpf auf die Tasten hauen, sondern erfordert auch in hohem Maße Fähigkeiten, wie Konzentration, Reaktionsvermögen, strategisches Denken, Kommunikation im Team sowie technisches Verständnis.
Manche Spieler bezeigen im Gegenteil eher, dass das Spielen dieser Spiele eine gute Möglichkeit ist, sich abzureagieren und den realen Alltagsfrust loszuwerden.