kindlicher Konsum und Suchtgefahr

Konsum ist etwas Allgegenwärtiges, Normales für unsere Kinder. Sie wachsen damit auf. Hellhörig sollte man nur werden, wenn der Konsum von Fernsehen, Süßigkeiten oder Videospielen überhand nimmt. Wir sollten uns in diesem Fall fragen, ob dieses Konsumverhalten nicht eine Ersatzbefriedigung für wichtige kindliche Bedürfnisse ist
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Andrea Braun:

SE: "Wann wird Konsum zur Gefahr?"

Andrea Braun: "Konsum ist etwas Allgegenwärtiges, Normales für unsere Kinder. Sie wachsen damit auf. Hellhörig sollte man nur werden, wenn der Konsum von Fernsehen, Süßigkeiten oder Videospielen überhand nimmt. Wir sollten uns in diesem Fall fragen, ob dieses Konsumverhalten nicht eine Ersatzbefriedigung für wichtige kindliche Bedürfnisse ist. Wenn z.B. aus dem normalen Verbrauch von Süßigkeiten eines Kindes im Laufe der Zeit ein übermäßiger Konsum entsteht, dann kann dies schon zu einer Suchtgefährdung führen. Diese besteht immer dann, wenn man das Gefühl hat, auf etwas nicht mehr verzichten zu können.
Im Prinzip kann sich jeder Mensch an den übermäßigen Konsum eines bestimmten Stoffes gewöhnen, und wenn es nur die unverzichtbare Tasse Kaffee oder die Tafel Schokolade ist."

SE: "Stichwort Medienerziehung: Wie lautet Ihre Meinung zu Freizeitaktivitäten, wie Fernsehen, PC und Gameboy?"

Andrea Braun: "Die Medien- und Kommunikationslandschaft bringt eine enorme Vielfalt in das Leben der Heranwachsenden. Doch sie birgt ebenso viele Gefahren und Probleme. Die eigene Kreativität, eine umfassende Kommunikation und das Erlernen von sozialen Fähigkeiten bleiben unter Umständen auf der Strecke. Wie spreche ich ein mir unbekanntes Kind an? Was tue ich, wenn ich von den anderen ausgeschlossen werde? Wie löse ich Konflikte? Können Kinder solche Situationen am Bildschirm lernen?
Konsumieren macht träge. Wenn man viel in sich aufnehmen und verarbeiten muss, kann man keine eigenen Ideen entwickeln. Doch wir brauchen zukünftige Erwachsene, die spontan, einfallsreich und kreativ sind."

SE: "Verfallen Kinder ohne Konsum nicht der Langeweile?"

Andrea Braun: "Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, Langeweile auch auszuleben. Aus einer gelebten Langeweile ohne Ablenkung durch einfache Ersatzbefriedigungen entstehen meist - nach gewisser Zeit - kreative Prozesse."

SE: "Sollten Eltern auch bei speziellen Feiertagen auf Konsumreduktion achten?"

Andrea Braun: "Vor allem Weihnachten und Geburtstagsfeste werden zu wahren Konsumfesten. Viele Erwachsene und Kinder erkennen vor lauter Vorbereitungs- und Einkaufsstress den wahren Sinn des Festes gar nicht mehr. Es wäre schön, wenn sich Familien und pädagogische Einrichtungen wieder auf die eigentlichen Beweggründe eines Familienfestes besinnen würden: Dies sind das gemütliche Beisammensitzen, die Gemeinschaft zu erleben, Zeit füreinander zu haben, miteinander zu singen und zu spielen. Vor allem Kindergeburtstage werden oft zu einer Schau von Höhepunkten missbraucht. Vor lauter Aktivitäten kommen die Kinder kaum zum Spielen."

SE: "Gibt es Erziehungsstrategien für einen bewussten und kritischen Umgang mit Konsum?"

Andrea Braun: "Ein Kind oder Jugendlicher sollte sich selbst fragen: Brauche oder möchte ich das Gewünschte wirklich? Warum ist mein Wunsch so wichtig? Kann ich Altes wieder reparieren? Gibt es Alternativen zu Anschaffungen oder Verhaltensformen?
In Gesprächen kann die Familie gemeinsam besprechen, welche Produkte teuer oder überteuert sind oder wie lange man für eine bestimmte Summe arbeiten muss, um sie zu verdienen. Geldgeschäfte sollten den Heranwachsenden transparenter gemacht werden. Um der Werbung ein bißchen den Wind aus den Segeln zu nehmen, empfiehlt es sich, ihren größten Bewunderern - den Kindern - schon früh beizubringen, die verschiedenen Werbestrategien zu durchschauen. Erwachsene sollten sich auch immer selbst über die Produktwerbung informieren, damit sie ihren Kindern gegenüber mit stichhaltigen Argumenten dagegenhalten können."

SE: "Frau Braun, wir danken Ihnen für dieses Gespräch."
braunandrea
Andrea Braun,
staatlich anerkannte
Erzieherin, Leiterin
eines Kindergartens
und Buchautorin
"Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, Langweile auch auszuleben. Aus einer gelebten Langeweile ohne Ablenkung durch einfache Ersatzbefriedigungen entstehen meist - nach gewisser Zeit - kreative Prozesse."