Süßigkeiten und Zucker im Alltag

Kinder lieben Süßigkeiten, am liebsten würden sie mehrmals täglich Schokolade und andere süße Verführer naschen.
Doch auch in der normalen Ernährung versteckt sich Zucker und davon nicht zu knapp: Das Honigbrot am Morgen, der Ketchup auf den Nudeln am Mittag, ein Glas Kakao am Nachmittag - schnell ist die tägliche Ration Zucker ohne Nascherei erreicht. Naschkatzen legen so schnell an Gewicht zu, da der Körper mehr Kalorien zu sich nimmt, als er tatsächlich benötigt.
Ein großes Problem: Heute gilt bereits jedes fünfte Kind als übergewichtig.
Sind zuckerfreie oder fettfreie Süßigkeiten eine Möglichkeit, die Kalorienzufuhr beim Naschen zu verringern?
Können Eltern Ihren Kindern den Heisshunger auf Süßes abgewöhnen?
Wieviel Zucker ist überhaupt erlaubt?
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Frau Böhler:

SE: "Viele Süßigkeiten werden von der Werbung als besonders figurfreundlich dargestellt, weil sie kein “Fett” enthalten. Sind fettfreie Süßigkeiten wirklich die Lösung gegen Übergewicht?"

Frau Böhler: "Nein! Der Zucker liefert uns zwar nicht soviele Kalorien wie das Fett, aber ständiger Zuckerkonsum führt zu einem hohen Insulinspiegel im Blut und dieser verhindert wiederum den Fettabbau im Körper. Somit führt auch ein hoher Zuckerkonsum zu Übergewicht."

SE: "Kaugummis oder Bonbons mit der Bezeichnung “Ohne Zucker” enthalten Süßstoffe. Ist der Konsum solcher chemisch gesüßten Naschereien unbedenklich?"

Frau Böhler: "Ohne Zucker heißt ohne Kristallzucker; es können aber Zuckerersatzstoffe enthalten sein, die zwar weniger aber ebenfalls Kalorien enthalten – so kommt es auch hier auf die verzehrte Menge an. Außerdem führen diese Zuckerersatz und Zuckeraustauschstoffe bei empfindlichen Personen zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall. Werden diese Produkte in einem vernünftigen Maß genossen, bestehen aber keine gesundheitlichen Bedenken."

SE: "Sind Honig, Sirup oder z.B. brauner Rohrzucker gesunde Alternativen zu raffiniertem Zucker?"

Frau Böhler: "Diese Produkte werden von der Vollwerternährung empfohlen, weil es sich hier noch um natürliche Produkte handelt, die ohne große Verarbeitungsprozesse hergestellt werden. Ihr Vorteil ist auch, dass ein Übermaß dazu führt, dass alles z.B. nach Honig schmeckt und man daher mit der Menge automatisch vorsichtig ist. Aber es handelt sich hierbei um Lebensmittel mit einem sehr hohen Zuckergehalt und so sollte man auch damit sparsam umgehen."

SE: "Welche tägliche Menge Zucker ist für ein Schulkind empfehlenswert? Wie viel dieser Menge wird bereits durch die normale Ernährung aufgenommen?"

Frau Böhler: "Empfehlenswert ist, so wenig Zucker wie möglich zu sich zu nehmen. Die Forschungsanstalt für Kinderernährung in Dortmund spricht aber von täglichen Mengen, die geduldet werden können. Diese richten sich je nach Alter der Kinder für Süßes von z.B. 10 g für 6-7 jährige bis zu 15 g für 12 jährige. Wieviel Zucker bereits durch normale Ernährung aufgenommen wird, hängt von der Lebensmittelauswahl ab. Viele Fertigprodukte enthalten eine hohe Menge an Zucker. Leider auch gerade die extra für Kinder hergestellten wie z.B. fertige Müslimischungen oder Frühstückscerealien, Kinderjoghurt oder Getränke für Kinder. Werden diese bevorzugt gegessen, nehmen dadurch die Kinder bereits eine Menge an Zucker zu sich."

SE: "Wenn Kinder verrückt nach Süßigkeiten sind - gibt es Möglichkeiten, den Appetit auf Zucker zu verringern?"

Frau Böhler: "Zunächst sollte man schauen, ob die Kinder eine ausreichende Menge an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten essen, denn daraus holt sich der Körper die Kohlenhydrate, die er braucht und Heißhungerattacken hervorgerufen durch einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel können damit vermieden werden. Und so lassen sich auch gleich die Geschmacksnerven an einen weniger süßen Geschmack gewöhnen, so dass zu Süßes nach einiger Zeit als unangenehm empfunden wird und sich der Genuss dadurch oft von selbst regelt."

SE: "Adipositas - starkes Übergewicht- wird auch als Fettsucht bezeichnet. Gibt es auch eine “Zuckersucht”?"

Claudia Böhler: "Mit Fettsucht wird hier die Erkrankung näher beschrieben, weniger das ständige Essen von Fett, denn dies ist nur eine Ursache von vielen für Adipositas. Aber man kann schon bei einigen Personen ein regelrechtes Suchtverhalten erkennen und das gerade auf Süßes. Wir lernen bereits mit der Muttermilch den süßen Geschmack kennen und lieben und haben ihn oft in Verbindung gebracht mit Geborgenheit und Wohlfühlen. Bei vielen setzt sich diese Erfahrung im Kindesalter fort und wird auch bei Erwachsenen dann nicht mehr abgelegt. Hier geht es dann darum, im süßen Essen einen geeigneten „Tröster“ zu finden und weniger darum den Hunger zu stillen. "

"Frau Böhler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch."
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Claudia Böhler
Ernährungsexpertin der AOK Hessen
"Viele Fertigprodukte enthalten eine hohe Menge an Zucker. Leider auch gerade die extra für Kinder hergestellten wie z.B. fertigen Müslimischungen oder Frühstückscerealien, Kinderjoghurt oder Getränke für Kinder."