Gutes Essen macht das Lernen leichter!

Kinder und Jugendliche müssen heute viel leisten. Ob Schule oder Freizeit: Noch nie waren die Ansprüche an die junge Generation so hoch. Die österreichische Ernährungswissenschaftlerin Dr. Astrid Laimighofer ist überzeugt, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung eine elementare Grundlage für Leistung liefert. Ihr Buch "Schlaue Kinder essen richtig!" gibt Eltern viele Tipps und Rezepte.
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Dr. Astrid Laimighofer:

SE: "Frau Laimighofer, Sie vertreten die These, dass Lernen nur dann optimal möglich ist, wenn Kinder gut gegessen haben. Was bewirkt die Ernährung im Körper?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Eine richtige Ernährung schafft die Voraussetzungen, um das Lernen, also Konzentration, Informationsaufnahme und Informationswieder-gabe, so leicht und so gut wie möglich umzusetzen. So kann durch eine gezielte Lebensmittelauswahl vor der Mathe-Arbeit zwar nicht das zuvor gelernte nachträglich verbessert werden, sehr wohl aber die Konzentration, sowie die Erinnerungsfähigkeit, also das abzurufen, was man zuvor gelernt hat."

SE: "Was wäre denn die richtige Ernährung vor einer Mathe-Arbeit?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Ein Vollkornbrot mit frischem Gemüse ist sicherlich immer ein passendes Pausenbrot. Dazu ausreichend Wasser - perfekt! So arbeiten die Gehirnwindungen, wie sie sollen."

SE: "Oft geben Eltern ihren Kindern für Klausurtage oder besondere Anstrengungen Traubenzucker mit. Bringt das überhaupt was?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Ich halte davon gar nichts. Traubenzucker bringt zwar blitzschnell Energie, die der Körper auch sofort abrufen kann, allerdings führt diese rasche Energiezufuhr auch dazu, dass der Blutzuckerspiegel anschließend wieder rasant abfällt und dann natürlich leichter Fehler gemacht werden. Ich empfehle deshalb, den Kindern lieber ein Stück Obst oder ein kleines Fruchtsaftgetränk mitzugeben. Diese lassen den Blutzuckerspiegel auch relativ schnell ansteigen, so dass Energie bereitsteht. Allerdings sinkt der Blutzuckerspiegel nicht so schnell wieder, der Effekt hält länger an. Dadurch bleibt die Konzentration länger bestehen und die Qualität und die Dauer der geistigen Leistung werden verbessert."

SE: "Was machen Eltern häufig noch falsch?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Studien belegen, dass rund 50 Prozent aller Kinder mehr Energie aufnehmen, als sie eigentlich benötigen. Vor allem werden zu viele ungesunde gesättigte Fettsäuren, wie sie zum Beispiel in Süßwaren und tierischen Lebensmitteln enthalten sind, konsumiert. Diese Fette machen krank, was sich schon jetzt dadurch zeigt, dass Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder das metabolische Syndrom bereits im Kindesalter dramatisch ansteigen. Zudem essen Kinder häufig auch zu viele Kohlenhydrate aus Zuckerprodukten, wie Süßigkeiten, anstatt aus Brot oder Getreideprodukten. Untersuchungen belegen zudem, dass Kinder generell dazu neigen, zu wenig zu trinken."

SE: "Kinder haben aber ja oft eine klare Vorstellung, was sie mögen und was nicht. Wie können Eltern darauf einwirken?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Kinder lernen am Modell, also durch das Vorbild ihrer Eltern. Wenn Mama oder Papa sich nie ruhig hinsetzen und mal einen Apfel essen, wird das Kind auch nicht auf die Idee kommen. Eltern müssen sich bewusst machen, dass sie Vorbild sind und das auch ganz bewusst einsetzen können, um gewisse gewünschte Verhaltensweisen hervorzurufen. Während Jungen zum Beispiel eher die Ernährungsgewohnheiten des Vaters nachahmen, orientieren sich Mädchen eher an den Gewohnheiten der Mutter. Zu beachten ist dabei der sogenannte "Mere exposure effect" der besagt, dass das, was häufig gegessen wird, mit der Zeit auch gerne gegessen wird. Daher halte ich es für wichtig, Kindern auch Lebensmittel, die sie nicht so gerne mögen, immer wieder anzubieten oder auch darauf zu achten, dass sie wenigstens davon probieren."

SE: "Sie erwähnen in Ihrem Buch immer wieder die Bedeutung des Blutzuckerspiegels. Welche Auswirkung hat dieser Parameter auf das Lernen?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Damit das Gehirn gut arbeiten kann, muss es möglichst gleichmäßig mit Glukose versorgt werden. Dafür brauchen Kinder einen konstanten Blutzuckerspiegel. Schwankt der Blutzuckerspiegel zu stark, kann es zu geistiger Erschöpfung, Schwindel oder Krämpfen kommen. Es ist das das A und O einer gesunden "Lernernährung" den Körper kontinuierlich, also mehrmals am Tag mit guter Energie zu versorgen."

SE: "Welche Lebensmittel sind dafür besonders geeignet?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Ideal sind komplexe, langkettige Kohlenhydrate also Vollkornprodukten, Gemüse und Obst. Aus diesen geht die Glukose nur langsam ins Blut über und der Blutzuckerspiegel steigt allmählich an. Studien belegen, dass kohlenhydratreiche Mahlzeiten, wie Vollkornbrot, Müsli, Nudeln und Reis, zu einer Verbesserung der Gedächtnisleistung und der Reaktionszeiten führen."

SE: "Das bedeutet, dass es besonders wichtig ist, dass Kinder morgens gut essen?"

Dr. Astrid Laimighofer: "In jedem Fall! Versuchen Sie Ihrem Kind ein Frühstück schmackhaft zu machen, packen Sie ein zweites Frühstück in den Schulranzen. Bei Kindern, die morgens absolut nichts essen mögen, empfehle ich, das zweite Frühstück üppiger ausfallen zu lassen. Und geben Sie Ihrem Kind zusätzlich Vollkorn- oder Müslikekse oder Früchtekugeln (Anmerk. der Reaktion: Das Rezept finden Sie etwas weiter unten) mit. Die Wirkung eines Frühstücks ist bewiesen: Besonders Mahlzeiten mit viel Getreide wirken sich positiv auf die geistige Performance während des gesamten Vormittags aus. Auch ein entsprechender Snack am Nachmittag verbessert die Erinnerungsfähigkeit - das ist wichtig bei langen Lernstrecken."

SE: "Wie wichtig ist Obst für einen wachen Geist?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Obst liefert relativ schnell verfügbare Kohlenhydrate und ist zusätzlich prallvoll mit Vitaminen und Mineralstoffen und wertvollen Bioaktivstoffen. Äpfel enthalten zum Beispiel den Schutzstoff Quercetin, Heidelbeeren verbessern die Gedächtnisleistung und beugen der Ermüdung der Augen vor. Generell ist aber natürlich jedes saisonale und frische Obst empfehlenswert."

SE: "Wenn Kinder häufig müde oder unkonzentriert sind, kann man mit der Ernährung dagegen wirken?"

Dr. Astrid Laimighofer: "Ein Grund dafür könnte ein Eisenmangel sein. Versuchen Sie besonders eisenreiche Lebensmittel in den Speiseplan einzubeziehen, vor allem rotes Fleisch, Vollkorn, Hirse und Hülsenfrüchte. Aber auch Traubensäfte, Beerensäfte oder rote Beete sind tolle Eisenquellen."

Das Interview für starke-eltern.de führte Bettina Levecke.
 

Pausensnack Rezept für Früchtekugeln

Garen Sie 125 gemischte Trockenfrüchte in wenig Wasser, abkühlen lassen und Flüssigkeit abgießen. Jeweils 1 Prise Kardamom und Nelkenpulver und 50g Wal- oder Haselnüsse dazugeben. Alles pürieren, kleine Kugeln formen und in Kokosflocken wälzen.
 

Zum Weiterlesen:

Titel
Schlaue Kinder essen richtig! Fit für die Schule: Clevere Ernährung für gute Noten.
© Trias 2010
Autorin
Astrid Laimighofer
Zielgruppe Eltern
Verlag TRIAS (24. Februar 2010)
Kategorie Ratgeber
Bestellnummer 978-3830435334
Preis 14,95 €