Gesunde Ernährung

Dr. Mathilde Kersting arbeitet am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Beim Weltgesundheitstag referierte sie über das Thema "Fünf am Tag - Gesunde Ernährung" leicht gemacht. Sie ist auich verantwortlich für den Inhalt der gleichlautenden Broschüre, die als Begleitmaterial zu diesem Themenblock bei der Bundesvereinigung für Gesundheit e.V. erhältlich ist. Starke-eltern stellte Frau Kersting verschiedene Fragen zur Kinderernährung und dabei durfte die Frage nach den weihnachtlichen Süßigkeiten natürlich nicht fehlen.
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Dr. Kersting:

SE: "Wenn Eltern auch Weihnachten auf gesunde Ernährung achten wollen: Wie steht es mit Süßigkeiten? Gibt es weniger bedenkliche Naschereien, und auf welche sollte man verzichten?"

Dr. Kersting: "Es spricht nichts dagegen, zu Weihnachten Süßigkeiten zu essen, und dabei auch grosszügiger zu sein als sonst, z. B. die Lieblingssüßigkeiten des Kindes zu erlauben. Wesentlich ist, dass ansonsten Süßigkeiten eher knapp gehalten werden und zwischen kalorienreichen, z. B. Schokolade, und kalorienärmeren Süßigkeiten, z. B. Gummibonbons, abgewechselt wird."

SE: "In letzter Zeit war öfter zu lesen, daß Schokolade eigentlich gar nicht so schädlich ist. Was sagen Sie als Ernährungsspezialistin?"

Dr. Kersting: "Kakao enthält sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, denen verschiedene gesundheitsförderliche Wirkungen zugesprochen werden. Schokolade ist aber außerdem sehr fett- und kalorienreich, weshalb sie nur in kleinen Mengen und nur ab und zu empfehlen ist. "


SE: "Zucker gilt als sehr ungesund für Kinder. Was ist mit Süßstoff und Honig? "


Dr. Kersting: "Zucker ist nicht per se „ungesund“, es kommt auf die Mengen und die sonstige Ernährung an. Honig hat außer seinem speziellen Geschmack keinen Vorteil gegenüber Zucker. Süßstoffe sind bei normaler Dosierung und normalen Verzehrgewohnheiten gesundheitlich unbedenklich. Sie sollten aber dennoch nur ausnahmsweise eingesetzt werden, z. B. süßstoffgesüßte Limonade, um eine Gewöhnung der Kinder an Süßgeschmack zu vermeiden."

SE: "Wo liegt die biologische Ursache dafür, daß Kinder so gerne Süßes essen? "

Dr. Kersting: "Die Vorliebe für Süßes besteht schon bei Neugeborenen – auch Muttermilch schmeckt leicht süßlich. In der Evolution war die Präferenz ein Selektionsvorteil, denn süßschmeckende Früchte sind im Gegensatz zu bitter schmeckenden Pflanzen selten giftig. "

SE: "Gibt es Hinweise, anhand derer Eltern schon früh erkennen können, daß ihr Kind zur Fettleibigkeit neigt? "

Dr. Kersting:
"Am besten ist es, die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen konsequent wahrzunehmen, weil der Kinderarzt dabei u. a. die Gewichtsentwicklung des Kindes kontrolliert und den Eltern rechtzeitig Hinweise auf eine mögliche Tendenz zum Übergewicht gibt."

SE: "Ist Fettleibigkeit erblich?"

Dr. Kersting: "Fettleibigkeit (Adipositas) ist zum Teil erblich, aber großteils durch den Lebensstil verursacht bzw. verstärkt, das heißt falsches Essverhalten und zu wenig Bewegung."

SE: "Ist es richtig, daß in Deutschland immer mehr Kinder schon im frühen Alter an übergewichtsbedingten Erkrankungen leiden?"

Dr. Kersting: "Ja, in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich der Anteil übergewichtiger Kinder etwa verdoppelt. Mit Adipositas assoziierte Begleiterkrankungen, die auch schon bei Kindern auftreten, sind z. B.Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels, die später zu Herzkreislaufkrankheiten oder der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II) führen können."

SE: "Sind Diäten für Erwachsene (Brigitte-Diät etc.) auf Kinder übertragbar? "


Dr. Kersting: "Diäten sind für Kinder nicht geeignet. Kalorienzählen ist für Kinder langweilig. Übergewichtige Kinder sollten vielmehr ein gesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten erlernen, das sie auf Dauer einhalten können. Die Einbeziehung der Familie ist dabei ganz wichtig. "

SE: "Was ist die optimix-Ernährung und wo können sich Eltern Informationen darüber besorgen?"


Dr. Kersting: "Optimix ist die Abkürzung für Optimierte Mischkost, eine Ernährung für Kinder, Jugendliche und Familien. Informationen dazu gibt es in einer speziellen Broschüre aus dem Forschungsinstitut für Kinderernährung „ optimiX - Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen“ (siehe www.fke-do.de)."

SE: "Welche Nahrungs- bzw. Genußmittel sollten Eltern ihren Kindern im Interesse einer gesunden Ernährung auf keinen Fall geben?"

Dr. Kersting: "Für optimiX gelten 3 einfache Regeln für die Lebensmittelauswahl. Reichlich: Getränke und pflanzliche Lebensmittel, mäßig tierische Lebensmittel, sparsam fett- und zuckerreiche Lebensmittel. Verbotene Lebensmittel gibt es in optimiX nicht. "

SE: "Müsli mit Milch gilt als schnelle, einfache und gesunde Frühstücksmahlzeit. Ist im Müsli wirklich alles, was Kinder zum Frühstück brauchen?"

Dr. Kersting: "Müsli ist ein hervorragendes Frühstück, es sollte möglichst aus 3 Zutaten bestehen: Getreideflocken, Milch oder Joghurt (1,5 % Fett) und frischem Obst, z.B. Orangen-, Apfelstückchen."

SE: "Ist Milch für Kinder gesund?"

Dr. Kersting: "Milch ist ganz wichtig in der Kinderernährung, denn sie liefert etwa die Hälfte des Baustoffs Calcium, der zum Knochenaufbau benötigt wird. Im Nährstoffgehalt mit Trinkmilch gleichwertig sind Joghurt und Dickmilch. Da unsere DONALD Studie gezeigt hat, dass Kinder zu viel Fett aus Milch und Milchprodukten aufnehmen, sollten anstatt Vollmilch und Vollmilchprodukten (3,5 % Fett) besser teilentrahmte Milch und solche Milchprodukte (1,5 % Fett) verwendet werden."

SE: "Es heißt, daß Kinder sowenig Fleisch wie möglich essen sollten. Gilt das auch für Fisch?"

Dr. Kersting: "In optimiX wird ein mäßiger Verzehr von Fleisch und Wurst empfohlen. Konkret sind das etwa 40 g pro Tag bei 4-6jährigen Kindern und 70 g bei 13-14jährigen Jugendlichen. Praxisbeispiele: 1 Frikadelle wiegt etwa 6o g, 1 Scheibe Mortadella 20 g. Für Fisch wird in optimiX eine Fischmahlzeit pro Woche empfohlen."

SE: "Ist rohes Gemüse gesünder als gekochtes?"


Dr. Kersting: "Kochen von Gemüse vermindert den Gehalt an bestimmten Nährstoffen, z..B. Vitaminen, und gesundheitsförderlichen Pflanzenstoffen. Deshalb sollte Gemüse zum Teil als Rohkost gegeben werden, z. B. Möhre, Tomate, Gurke zum Pausenbrot, zum Abendessen ein Rohkostsalat. Übrigens: Kinder mögen rohes Gemüse lieber als gekochtes!"

SE: "Was halten Sie von einer rein vegetarischen bzw. veganen Ernährung?"

Dr. Kersting: "Man kann Ernährungsstile in 3 Kategorien einteilen: „1. Wahl“ in der Kinderernährung ist eine gemischte Kost mit mäßigen Mengen an Fleisch (wichtig für die Eisenversorgung), „2. Wahl“, (d. h. akzeptabel aber nicht optimal) ist eine vegetarische Ernährung, in der auf Fleisch verzichtet wird. Nicht geeignet ist eine vegane Ernährung, in der auch auf Milch verzichtet wird, denn das Risiko für Nährstoffmängel (vor allem Eisen, Jod, Calcium, Eiweiß) ist dabei hoch."

SE: "Frau Dr. Kersting, wir danken Ihnen für dieses Gespräch."
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Privat Dozentin
Dr. Mathilde Kersting
Forschungsinstitut für
Kinderernährung Dortmund