Gefahren durch Dieselruß, Stickoxide und Ozonbelastung

Dr. Englert ist Arzt für Allgemein- und Umweltmedizin. Er arbeitet in der Abteilung Umwelthygiene des Bundesumweltamtes in Berlin. Dr. Englert war verantwortlich für die Materialien, die das Bundesumweltamt der Öffentlichkeit auf dem Weltgesundheitstag präsentierte. Starke-eltern befragte ihn zu den Themen Dieselkraftstoff, Autoabgase und Ozonbelastung.
"starke-eltern.de" im Gespräch mit Dr. Englert

SE: "Die Gefahren des Dieselkraftstoffs oder Dieselrußes sind jüngst erneut in den Brennpunkt der öffentlichen Diskussion gelangt. Jetzt heißt es, dass feinste Partikel des Diesels in die Lunge gelangten und der Körper keinerlei Abwehrmöglichkeiten gegen diese Gefahren habe. Wie dramatisch stellt sich die Situation wirklich da?"

Dr. Englert: "Bei Verbrennungsprozessen unter hohem Druck, wie dies bei den Dieselmotoren der Fall ist, entstehen sehr kleine Partikel. Je kleiner diese Partikel sind, desto weiter können sie in die Lunge vordringen. Mit diesen sehr kleinen Partikeln kommen unsere körpereigenen Abwehrsysteme nicht so gut zurecht."

SE: "Wie reagiert die Industrie auf dieses gesundheitliche Problem?"

Dr. Englert: "Es existieren viele erfolgversprechende Ansätze. Einige Filtersysteme sind mittlerweile auch praktisch einsetzbar. Diese haben allerdings insofern einen Nachteil, als man Additive verwenden muss, damit die Filterregenerierung regelmäßig stattfinden kann. Wenn ein Filter wirksam arbeitet, setzt er sich immer relativ schnell zu. Und damit der Filter wieder frei wird, also die Stoffe, die nicht im Filter zurückgehalten werden sollen, durchgehen können, muss man diesen Filter regenerieren. D.h. die Kohlenstoffbestandteile müssen abgebrannt werden. Und dieser Abrennvorgang muss während des Fahrbetriebs funktionieren. Dazu wird bei den aktuellen Filtersystemen ein Additiv benötigt. Dadurch gelangen leider auch wieder Stoffe in die Umwelt, die ansonsten nicht verbreitet werden würden."

SE: "Wie lange wird es noch dauern, bis diese Systeme ohne unerwünschte Begleiterscheinungen funktionieren?"

Dr. Englert: "Daran wird intensivst gearbeitet. Dennoch ist es schwer, eine zeitliche Vorgabe zu machen, wann andere Systeme verfügbar sein werden. Vielleicht schon in diesem Jahr oder erst in ein bis zwei Jahren, das ist so ungefähr der Zeitrahmen, den ich erwarte."

SE: "Dann ist der allgemeine Trend zum Dieselfahrzeug für unsere Umwelt bisher eher negativ zu beurteilen?"

Dr. Englert: "So kann man das nicht direkt sagen. Die Dieselmotoren arbeiten wirtschaftlicher als Otto-Motoren. Beim Kohlendioxidausstoß - also im Hinblick auf Klimafolgen - sind die Dieselmotoren günstiger. Bei den Stickoxiden gibt es noch Schwierigkeiten und auch das Partikelproblem muss man in den Griff bekommen. Wenn allerdings das Partikelproblem über effektive Filter gelöst sein sollte, spricht eigentlich nichts mehr gegen den Dieselmotor."

SE: "Auf der anderen Seite müssen doch auch gerade durch die leistungsstarken LKW-Motoren bei dem ständig wachsenden Güterverkehr auf der Straße gigantische Mengen an Partikeln und Stickoxiden freiwerden."

Dr. Englert: "Die Fortschritte auch in der Motortechnik, damit weniger Partikel entstehen, sind deutlich wahrnehmbar. Die Entwicklung in den letzten Jahren war sehr positiv. Aber es nützt eben nicht so sehr viel, wenn am Einzelfahrzeug erfolgreiche Maßnahmen durchgeführt werden, die den Ausstoß vermindern, gleichzeitig aber die Zahl der Fahrzeuge insgesamt deutlich ansteigt. Dann hebt sich dieser Effekt auf."

SE: "Die finanziellen Belastungen für die Transportunternehmen werden sich durch die anstehende Mautgebühr noch verschärfen. Wie will man die Unternehmer motivieren, ihre Fahrzeuge mit neuer Filtertechnik auszustatten?"

Dr. Englert: "So einen Prozess der Nachrüstungen kann man steuerlich beeinflussen. Bei Neufahrzeugen sollten dann die Systeme direkt eingebaut sein. Man darf auch nicht vergessen. Wir hatten beim Katalysator das gleiche Problem. Am Anfang waren die Katalysatoren recht teuer, als aber die Massenproduktion einsetzte, sanken die Preise deutlich. Heutzutage sind die Fahrzeuge serienmäßig damit ausgestattet."

SE: "Wie verhält es sich mit der Schadstoffbelastung im Innenraum eines Autos? "

Dr. Englert: "Die Zuluft, die in das Fahrzeug strömt, wird ja unmittelbar von der Fahrbahn eingeholt. Dadurch gelangt Luft ins Fahrzeug, die noch recht viele Abgasbestandteile des vorausfahrenden Fahrzeugs enthält. Zusätzliche Pollenfilter, die für Allergiker konzipiert sind und in die Belüftungsanlage der Fahrzeuge eingebaut werden, halten auch Partikel ab, Abgase allerdings weniger."

SE: "Ist die Innenluft für Kinder in Autos schädlich?"

Dr. Englert: "Der Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem ist nicht so groß, wobei Kinder im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht schon intensiver atmen als Erwachsene."

SE: "Zu einem anderen Themenbereich. Angesichts des heißen, intensiven Sommers steigt die Ozonkonzentration an. Welche vorbeugenden Maßnahmen sollte der Einzelne berücksichtigen und wie sollen Eltern ihre Kinder schützen?"

Dr. Englert: "In der Tat haben wir zur Zeit ungewöhnlich hohe Temperaturen, und solche Temperaturwerte begünstigen das Entstehen von hohen Ozonkonzentrationen. Wobei aber auch, wo Sie den Katalysator angesprochen haben, natürlich die Wirkung des Katalysators dazu beiträgt, dass nicht so viele Vorläufersubstanzen für Ozon da sind und dadurch die Ozonwerte nicht so ansteigen, wie das ohne Katalysatortechnik der Fall wäre.

SE: "Wie sollte sich der Einzelne am effektivsten gegen die Ozonbelastung schützen? "

Dr. Englert: "Der Mensch hat natürlich keinen Fühler für die Ozonkonzentration, aber wir empfinden unmittelbar die Temperatur. Ozon entsteht immer bei warmen Temperaturen und Sonnenschein. Schlichtweg betrachtet sollte der einzelne sein Verhalten an die Temperaturen anpassen. Also körperliche Belastung nicht in der prallen Mittagssonne, sondern diese Aktivitäten eher in den frühen Morgen oder den Abend verlagern. Das gilt natürlich im gleichen Maße für Kinder. Hier sollten Eltern unbedingt darauf achten, dass ihre Kinder nicht mittags in der Sonne rumtoben. Denn sonst kommt zum Ozon noch erschwerend die Belastung durch die UV-Strahlung hinzu."

SE: "Ist die Ozonbelastung im Schatten geringer?"

Dr. Englert: "Sehr groß sind diese Unterschiede nicht. In Innenräumen dagegen ist die Konzentration deutlich geringer als in der Außenluft, weil da sozusagen der Nachschub fehlt."

SE: "Dr. Englert, wir danken Ihnen für dieses Gespräch."

drenglertgross
Dr. Englert
Mediziner
beim Bundesumweltamt
Die Fortschritte in der Motortechnik, damit weniger Partikel entstehen, sind deutlich wahrnehmbar.
Die Entwicklung
in den letzten Jahren war sehr positiv.