Faszination "Flimmerkiste"

Kinder scheuen fern
Heutzutage beansprucht das Fernsehen einen großen Teil der Freizeit von Kindern und Jugendlichen. Fast jeder deutsche Haushalt hat mindestens einen Fernseher. Das bedeutet: Fernsehen als Mittel der Freizeitgestaltung ist auf Knopfdruck jederzeit und fast überall verfügbar - und somit leichter zugänglich als Beschäftigungen, die einen größeren Organisationsaufwand erfordern. Die unbestrittene Faszination der Bilderwelten aus dem Fernsehen hat vielfältige Auswirkungen auf die Befindlichkeit von Kindern:
 

Freizeitfalle Fernsehen?

Bereits Kinder im Vorschulalter sehen im Durchschnitt 75 Minuten am Tag fern, bei 6- 9jährigen sind es 92, bei 10-13jährigen 108 Minuten. Der Fernseher ist in vielen Familien zum Alltagsbegleiter geworden. Eltern nutzen die Flimmerkiste nicht nur, um sich gezielt bestimmte Sendungen anzusehen - vielmehr wird der Fernsehabend häufig zum normalen Bestandteil des Tagesablaufs. Die Frage lautet in diesem Fall nicht "Sehen wir fern?", sondern "Was sehen wir uns heute Abend an?" Eine solche Entwicklung hin zur Selbstverständlichkeit prägt natürlich auch das Freizeitverständnis der Kinder. Die Folge davon ist, dass die Kinder eine reine passive Konsumentenhaltung entwickeln und dabei in zunehmendem Maße verlernen, ihre Freizeit aktiv zu gestalten.

Vor dem Fernseher verbrachte Zeit muss natürlich keine vertane Zeit sein. Es gibt viele Sendungen, die Phantasie und Kreativität fördern und zum selbständigen Nachdenken anregen - und manchmal tut es auch dem Kind einfach gut, sich vor die Glotze zu setzen und ein bisschen zur Entspannung berieseln zu lassen. Aber hier gilt dasselbe wie für alle anderen Medien: Ein Zuviel auf Kosten von Bewegung und sozialer Aktivität kann schädlich sein, denn kein noch pädagogisch wertvolles Fernsehprogramm kann sportliche Betätigung oder das Zusammensein mit Freunden ersetzen. Wir wollen an dieser Stelle mit Fakten, Tipps und Anregungen dazu beitragen, Ihnen als Eltern den kindgerechten Umgang mit dem Medium "Fernsehen" zu erleichtern. Maedchen schaut TV

Wie nehmen Kinder das Fernsehen wahr?

Insbesondere kleine Kinder im Vorschulalter erleben eine Fernsehsendung völlig anders als Erwachsene. Sie können noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden und sehen sich selbst als Teil des Geschehens auf der Mattscheibe. Wer kleine Kinder beim Fernsehen beobachtet, kann das leicht nachvollziehen: Freude, Angst, Spannung und alle anderen Emotionen sind sofort an ihren Bewegungen und Kommentaren erkennbar. Kinder in diesem Alter sind besonders auf klare Strukturen angewiesen, um eine Sendung zu verstehen. Sie denken in einfachen Mustern von Gut und Böse -das Verhalten komplizierter und vielschichtiger Charaktere ist für sie nicht nachvollziehbar. Erst mit der Zeit lernen sie, dass es sich beim Gesehenen nicht um die Wirklichkeit handelt.

Schulkinder im Grundschulalter können bereits der Handlung eines Films oder einer Serienepisode folgen. Allerdings sind sie auf ein ruhiges Erzähltempo angewiesen, um alle wichtigen Informationen aufzunehmen. Sie sind noch nicht in der Lage, mehrere Handlungsebenen in Einklang zu bringen. In diesem Alter neigen Kinder besonders dazu, sich mit Fernsehfiguren zu identifizieren oder von ihnen abzugrenzen.

Im Alter von 11-12 Jahren nehmen Kinder Fernsehsendungen schon ähnlich wie Erwachsene auf. Das logische Denken ist gut entwickelt, sie können auch komplizierte Handlungen verstehen und klar zwischen Wirklichkeit und Fiktion differenzieren. Noch nicht vollständig ausgeprägt ist die Fähigkeit, sich von den durch das Fernsehen angebotenen Inhalten zu distanzieren. Das bedeutet: Besonders von "Kultsendungen" vermittelte Modetrends und Verhaltensweisen werden teilweise kritiklos übernommen.

Für alle Altersstufen gilt: In unserer von Medien geprägten Welt müssen Kinder lernen, angemessen mit dem Fernsehen umzugehen und die Flut der angebotenen Informationen zu verarbeiten. Es ist wichtig, dass Eltern zuhören und auf ihre Kinder eingehen, wenn sie über das Gesehene reden wollen. Nur so können Kinder sich zu bewussten und selbstbestimmten Fernsehkonsumenten entwickeln.
schau-hin
www.schau-hin.info

Gewalt im Fernsehen - schädlich für Kinder??

Gewalt im Fernsehen ist Realität, und Kinder sind ihr Tag für Tag ausgesetzt. Es gibt Zeichentrickserien, die ihre Zuschauer mit über 200 Gewalttaten pro Stunde konfrontieren. Die Experten waren sich lange uneins, inwieweit Bildschirmgewalt Kinder beeinflussen kann. Heute scheint sicher: Die Darstellung von Gewalt im Fernsehen kann sich negativ auf Kinder auswirken - besonders, wenn sie in tendenziell gewaltbereiten Familien aufwachsen und von daher ein hohes Aggressionspotential aufweisen. Eine intakte Eltern-Kind-Beziehung dagegen kann durch Liebe, Verständnis und Zuwendung viel dazu beitragen, negative Beeinflussungen zu vermeiden.

Wie wirkt Fernsehgewalt auf die Psyche von Kindern? Der oft genannte direkte Nachahmungseffekt ist in seiner Wirkung keineswegs erwiesen. Viel gefährlicher ist die schleichende Akzeptanz von Gewalthandlungen durch das Verhalten beliebter Film- und Serienfiguren. Wenn dem Helden nichts besseres einfällt oder ihm die Lösung eines Problems zu lange dauert, wendet er die Brachialmethode an. Dadurch wird den Zuschauern unterschwellig die fragwürdige Botschaft vermittelt:

- Gewalt kann ein effektives Mittel zur Problemlösung sein - Gewaltanwendung kann in bestimmten Situationen legitim sein - Was legitim ist, bestimmt oft der Handelnde selbst.

Häufiger Gewaltkonsum kann außerdem dazu führen, dass ein Abstumpfungseffekt eintritt: Brutales Verhalten verliert nach und nach seine abschreckende Wirkung, bis es - im schlimmsten Fall - als etwas Normales wahrgenommen wird. Das Gegenteil ist oft bei sensiblen Kindern der Fall. Sie erleben Gewalt im Fernsehen als etwas Bedrohliches, das Angstvorstellungen und Alpträume verursachen kann. Diese Bedrohung kann auch von nicht-fiktiven Sendungen ausgehen: Gerade Szenen aus dem sogenannten "Reality-TV" wirken oft umso nachhaltiger, da sie nicht nur von kleinen Kindern als Teil der realen Welt erlebt werden.

Ein weiteres, bisher weniger beschriebenes Phänomen ist das der Verharmlosung. Besonders in Trickfilmen kommt es häufig zu Gewaltakten, die in der Realität tödlich wären: Helden und Bösewichte werden an Wände geklatscht, plattgeklopft, in die Luft gesprengt - und stehen eine Minute später wieder da, als sei nichts geschehen. Dabei sollte man niemals vergessen: Im Film ist ein deftiger Tritt in das Hinterteil vielleicht noch lustig und unterhaltsam - auf dem Schulhof kann er ernste Folgen haben.

Gewalt im Fernsehen muss bei Kindern nicht zwangsläufig zur Gewaltanwendung im täglichen Leben führen. Aber Eltern sollten unbedingt wissen, was ihre Kinder sich anschauen.
 

Zielgruppe Kinder - machtlos gegen Werbung?

Besonders bei Privatsendern werden Kinder heute mit den verschiedensten Werbebotschaften konfrontiert. RTL, SAT.1 & Co dürfen in einer Stunde bis zu 12 Minuten Werbung ausstrahlen, und dieser gesetzliche Rahmen wird voll ausgenutzt. Im Umfeld von Zeichentrickserien, Kinderspielshows und auch Actionserien kämpfen die Hersteller mit ihren Spots hart um Marktanteile für Spielzeug, CDs und trendige Markenartikel. So sind schon kleine Kinder massivem Werbedruck ausgesetzt. Fernsehen heißt auch Werbung sehen - eine Tatsache, die wir vielleicht bedauern, aber nicht ändern können. Umso wichtiger ist es, dass Kinder so früh wie möglich eine Fertigkeit entwickeln, die von Experten Werbekompetenz genannt wird.

Werbekompetenz bestimmt, inwieweit sich ein Zuschauer durch Werbung beeinflussen läßt. Kompetente Konsumenten wissen, wo und wie sie manipuliert werden. Sie können die eigenen, emotionalen Reaktionen auf Werbeanreize richtig einordnen und bewußte Kaufentscheidungen treffen. Werbekompetenz entsteht in mehreren Stufen:

  1. Im ersten Schritt lernen Kinder, dass überhaupt ein Unterschied zwischen Werbespots und Programm besteht. Das geschieht meist intuitiv - die Kinder bemerken z.B. unbewußt, dass der Ton lauter wird, sobald ein Werbeblock beginnt.
  2. Im zweiten Schritt erleichtern objektive Kriterien das Erkennen von Werbung: Eindeutige Anzeichen wie Werbetrenner, Ankündigung eines Werbeblocks durch Moderatoren oder das Ausblenden des Senderlogos werden bewußt wahrgenommen und richtig interpretiert. Außerdem begreifen Kinder auf dieser Stufe, dass der Verkauf als Absicht hinter fast jeder Werbung steht.
  3. Im dritten und letzten Schritt kommt das Wissen über Werbung hinzu: Kinder lernen mehr darüber, wie ein Spot gemacht wird, wie er auf die Zuschauer wirkt und welche Mittel die Werber einsetzen.
     

    Tipps für einen kindgerechten Umgang mit dem Fernsehen

    Fernsehen ist eine Realität und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Kinder generell von diesem Medium fernzuhalten ist nahezu unmöglich und auch nicht wünschenswert. Eltern sollten vielmehr darauf achten, ihre Kinder zu bewußten, kritischen und wählerischen TV-Konsumenten zu erziehen. Eine behutsame Heranführung beginnt mit der Frage nach der Zeit, die Kinder täglich vor dem Fernseher verbringen dürfen. Überprüfen Sie doch einfach mal Ihre persönliche Einschätzung, wieviel Zeit die Kinder in den jeweiligen Altersstufen überhaupt vor dem Fernseher zubringen dürften. Wenn Sie in die vier Einbgabefelder Ihre Minutenangaben eingetragen haben und auf den "Vergleich"- Button klicken sehen Sie die Empfehlungen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben hat:
     
     
    Wie lange sollte Ihr Kind maximal täglich Fernsehen?
    Alter des Kindes
    Fernsehzeit
     
    0-2 Jahre
    min
     
    3-5 Jahre
    min
     
    6-9 Jahre
    min
     
    10-13 Jahre
    min
     
     
     
     
    Quelle: Redaktionsteam starke-eltern.de
     
    Diese Zahlen sind natürlich als Richtwerte zu verstehen. In einigen Fällen - zum Beispiel in der Weihnachtszeit, wenn die Sender viele für Kinder attraktive Filme ausstrahlen - können sie auch überschritten werden. Den Kindern sollte allerdings immer klar sein, daß es sich dabei um eine Ausnahme handelt.

    Welche Sendungen sind für Kinder geeignet? Generell gilt: Je weniger Gewalt, desto besser. Die Sendung mit der Maus oder Käpt´n Blaubär sind kindgerecht aufbereitet und allemal empfehlenswerter als Buffy - im Bann der Dämonen oder Dragonball Z.

    Kinder sind eine begehrte Zielgruppe der TV-Macher, und es gibt inzwischen eine Unzahl von Filmen und Serien, die sich an ein jugendliches Publikum richten. Es ist für Eltern nicht leicht, hier den Überblick zu behalten. Hilfen bieten die Programmseiten seriöser Fernsehzeitschriften und auch das Internet.
    Websites wie z.B. schau-hinsind eine gute Informationsquelle über das laufende Kinderprogramm und machen es leichter, sich im Überangebot an Sendungen zurechtzufinden.
     
     

    Für die Pinnwand

    Kinder und Fernsehen

    Zum allgemeinen Umgang mit dem Fernsehen ist Folgendes zu beachten:
    • Benutzen Sie Fernsehen nicht als Mittel der Belohnung oder Bestrafung. So wird vermieden, dass Kinder das Fernsehen als etwas besonders Erstrebenswertes betrachten.
    • Seien Sie immer darüber informiert, was Ihre Kinder sehen.
    • Beteiligen Sie Ihre Kinder an der Auswahl geeigneter Sendungen. Sie fühlen sich dann ernst genommen und lernen eher, unabhängig und selbständig zu entscheiden.
    • Insbesondere jüngere Kinder sollten nicht alleine fernsehen. Eltern sind wichtige Ansprechpartner, um das Gesehene zu verarbeiten.
    • Sorgen Sie immer dafür, Ihrem Kind Alternativen zum Fernsehen anzubieten. Phantasie und Kreativität sind der beste Schutz vor übermäßigen TV-Konsum.
    • Bieten Sie Ihren Kindern ein gutes Beispiel. Vermitteln Sie ihnen durch Ihr eigenes Verhalten, was das Fernsehen sein sollte: Nicht der Mittelpunkt des Lebens, sondern ein Zeitvertreib wie jeder andere.