Gefährdungsmerkmale

trauriges Maedchen
Suchtgefährdung und Suchtverhalten sind niemals an einer einzigen bestimmten Ursache festzumachen. Die Entwicklung von Suchtverhalten ist eher vielschichtig und auf Bündelung von verschiedensten Ursachen zurückzuführen und beginnt schon in der frühen Kindheit. (Wer als Erwachsener die kindlichen Bedürfnisse nicht vergessen hat und noch nachempfinden kann, hat bereits den wesentlichen Schritt in Richtung einer effektiven Erziehung seiner eigenen Kinder getan.)

Wenn die Lebensumstände schwierig sind

Eine ganze Reihe von ungünstigen, äußeren Faktoren sind von Eltern nur sehr begrenzt zu beeinflussen. Situationen, die sich niemand freiwillig aussucht, wie eine schlechte, beengte Wohnsituation, ein eher kinderfeindliches Umfeld mit unzureichenden Spielmöglichkeiten sind schlechte Rahmenbedingungen für die Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit. Gerade Arbeitslosigkeit ist eine enorme Belastung für die Familie. Kinder merken den Druck, der auf den Eltern lastet. Richtig begreifen können sie die Ursachen jedoch nicht und werden durch diesen Zustand verunsichert. Dadurch bedingt kommen auch finanzielle Probleme hinzu, die den familieninternen Stress noch erhöhen. Unter solchen Bedingungen ist es natürlich ungleich schwerer für Kinder, ein ausgeglichenes Naturell und ausreichend Selbstwertgefühl zu entwickeln, um sich im späteren Leben behaupten zu können. Dennoch können Eltern mit Liebe, Geborgenheit und Bestätigung auch unter solchen Umständen für das Kind den entscheidenden, erzieherischen Beitrag leisten für ein späteres erfülltes Leben als Erwachsener.

Niemand findet toll, was ich mache

Kinder brauchen Anerkennung, nicht nur für messbare Leistung nach den Kriterien der Erwachsenen.
Erwachsene vergessen oft in ihrer Ausrichtung auf die Realitäten des Lebens wie etwa der Beruf, dass Kinder gerne auch in eigenen Welten leben. Dort finden die wahren Sensationen statt, wird die Abenteuerlust befriedigt und ist der Platz für Träumereien und Fantasiereisen. Auch dafür brauchen Kinder Bestätigung und Zuwendung. Anerkennung hat für Kinder nicht immer etwas mit Leistung zu tun. Sie wollen sich mitteilen, wollen den Erwachsenen berichten, was es alles von ihren Träumereien tolles zu erzählen gibt. Wenn dann argumentiert wird, man habe dafür jetzt keine Zeit, oder „das kann warten“, wird tiefe Frustration erzeugt. Je stärker die Welten der Kinder und der Erwachsenen auseinanderdriften, um so häufiger kann darin eine Ursache für das Entstehen von Suchtverhalten vermutet werden. Dann soll das Suchtmittel den Ersatz liefern für die Frustrationen, die man als Kind erlebt hat, als mal wieder keiner zuhören wollte.

Keiner hält richtig zu mir

Grundvertrauen entsteht durch Liebe und Zuneigung der Eltern. Sie geben dem Kind die notwendige Geborgenheit, Sicherheit und Halt, was besonders in den ersten Lebensjahren von entscheidender Wichtigkeit ist. Nur so können die Kinder das nötige Selbstbewusstsein entwickeln. Tragisch ist es, wenn das Kind fühlt, dass niemand richtig hinter ihm steht. Ohne dieses Grundvertrauen scheuen die Kinder das Risiko, kleine Abenteuer zu wagen. Sie bringen nicht den Mut auf, ihren Aktionsradius auszuweiten. Die kindliche Neugier, Neues zu entdecken, wird von Ängsten überlagert. Die Angst siegt. Als Reaktion auf dieses Defizit flüchten sich diese Kinder oft in Scheinwelten. Damit fehlen wichtige Erlebnisse in der Kindheit. Nicht selten versucht sich der Heranwachsende später über süchtiges Verhalten Ersatz für verpasste Abenteuer und die erlittene Erlebnisarmut zu verschaffen. gefährdungsmerkmale

Das Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit wird nicht erfüllt!

Liebe und Zuwendung sind ebenso wie Essen und Trinken lebenswichtige Grundbedürfnisse, insbesondere für Kinder.
Wenn diese Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, versucht das Kind, sich auf andere Weise Ersatz zu verschaffen. Typisches Beispiel solcher „Ersatzhandlungen“ sind Nägelkauen, Daumenlutschen, im Übermaß essen, Handlungen, mit denen das Kind versucht, sich selbst Wohlbefinden zu verschaffen.
Kinder brauchen das Gefühl, dass ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse ernst genommen werden. Die Ablenkung davon etwa durch Süßigkeiten, Fernsehen, Geld oder Geschenke sind Ersatzbefriedigungen, aber kein Ersatz für Verständnis und Zuwendung. Wenn Kinder daran gewöhnt werden oder sich selber daran gewöhnen, sich mit oft bequemen Ersatzbefriedigungen zu arrangieren, kann dies ein erster Schritt zu späterem Suchtverhalten sein.

Wie erkenne ich, ob mein Kind für Suchtverhalten stärker gefährdet ist?

Masern oder Röteln sind unverkennbar. Symptome für Suchtgefährdung stehen dem Kind dagegen nicht ins Gesicht geschrieben. Dennoch gibt es Anzeichen, die Sie unbedingt aufmerksam beobachten sollten. Hinter diesen Signalen können sich tiefgreifende psychische Probleme verbergen, wobei auch andere Entwicklungsstörungen die Ursachen dafür sein können.
Zu diesen Warnsignalen gehören folgende Verhaltensweisen:
  • Das Kind ist passiv, antriebsarm und unselbständig.
  • Es fehlt ihm der Mut, Probleme offensiv anzugehen und aus der Welt schaffen zu wollen.
  • Problemen weicht es ständig aus.
  • Auch bei Konfliktsituationen scheut das Kind. Es scheint, Konflikte nicht aushalten zu können und zieht sich zurück.
  • Das Kind hat Schwierigkeiten, Kontakt zu bekommen.
  • Das Verhalten gegenüber anderen Kinder ist aggressiv und gewalttätig.
  • Aus einem schlechten Selbstwertgefühl resultiert mangelndes Selbstvertrauen.
  • Die Anforderungen, die das Kind an sich selbst stellt, sind überzogen und können nicht erfüllt werden. Das wiederum führt zu Frustration.
  • Das Kind ist ungeduldig, zappelig und kann sich nicht konzentrieren.
  • Es scheint in einer Phantasie- und Traumwelt zu leben, aus der es sich nur schwer lösen kann
Sollten mehrere dieser Punkte auf Ihr Kind zutreffen, besprechen Sie Ihre Beobachtung in der Familie, mit dem/der Lehrer/In, Erzieher/In oder befragen Sie Ihren Kinderarzt. Weitere Unterstützung erhalten Sie auch bei Erziehungsberatungsstellen.

Wenn Kinder älter werden

Mit zunehmendem Lebensalter verringert sich der Einfluss der Eltern. Die Einflüsse von außen werden immer stärker. Das heranwachsende Kind macht seine eigenen Erfahrungen im Freundeskreis, in der Schulklasse, im Sportverein. Neue Vorbilder kommen hinzu, der mediale Einfluss wird stärker, das Kind hat neue Ideale. Hier schwindet die elterliche Kontrolle und auch die Kontrolle anderer Erziehungspersonen mehr und mehr.
Eltern können dennoch entscheidend durch Ihre Erziehung dazu beitragen, ihr Kind vor Suchtgefahren zu schützen. Wenn das Kind immer positiv erfahren hat, dass seine seelischen und körperlichen Grundbedürfnisse befriedigt werden und wenn eine gemeinsame Vertrauensbasis vorhanden ist, sind die notwendigen Grundlagen für eine selbstbewusste, starke Persönlichkeit gegeben.

Gefahrensignale in der Pubertät

In der Pubertät zeigen sich veränderte Probleme, die differenziert betrachtet werden müssen:

Normal ist in der Pubertät, wenn ...
  • die Jugendlichen sich aus den Familienaktivitäten immer stärken zurückziehen.
  • die Leistungen in der Schule schwanken.
  • die Interessen häufig, mitunter sprunghaft wechseln.
  • die Stimmungen zwischen Extremen hin- und herpendeln, von aggressiv ablehnend bis zu zufrieden und euphorisch.
  • es zu einem Wechsel in der Ausbildung kommt (Schulartwechsel, Lehrstellenwechsel ...) .
Problematisch wird es, wenn ...
  • sich der Teenager Ihnen gegenüber total verschließt, sich komplett isoliert.
  • die Schulleistungen in allen Fächern drastisch absacken.
  • der Freundeskreis ständig wechselt oder sogar aufgegeben wird.
  • alle Interessen ohne ersichtlichen Grund plötzlich bedeutungslos werden.
  • irgendwelche Gegenstände oder Geld fehlen, wofür Sie keine Erklärung haben?
  • völlig resignierend die Schule oder der Ausbildungsplatz abgebrochen wird.
  • die Jugendlichen anfangen ohne jede Perspektive nur noch „rumzulungern“.
Diese Alarmsignale können Anzeichen dafür sein, dass Ihr Kind Suchtmittel nimmt. Sie sollten das Verhalten besonders genau beobachten. Wenn sich Ihr Verdacht erhärtet, müssen Sie als Eltern reagieren. Die erste wichtigste Maßnahme: Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über Ihre Beobachtungen und machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe. Empfehlungen, welche Verhaltensweisen in solch einer Situation wichtig sind, finden Sie unter dem Punkt „Was tun, wenn...“ .

Motive für Erstkonsum von Suchtmitteln in Jugendgruppen
  • Drogen sind verfügbar und leichter erreichbar.
  • eine starke Bindung an eine Gruppe
  • eine starke Beeinflussbarkeit der Person durch sozialen Druck der Gruppe bzw. der wichtigen Bezugspersonen in der Gruppe
  • eine positive Bewertung von Drogenkonsum in der Gruppe und hoher Gruppendruck, sich am Konsumieren zu beteiligen.
  • Erwartung positiver Effekte durch den Gebrauch (Wenn ich etwas nehme, finde ich leichter "Kontakte", Wenn ich etwas nehme, werde ich besser "anerkannt" o.ä.)
  • Die Erfahrung, Drogen verursachen positive Effekte oder es wird beobachtet, dass die Veränderung positiv ist. ( „Ich bin total high – ich bin super drauf ...“)