10-12 Jahre: Vorboten der Pubertät

Mädchen 11 Jahre
10jährige haben es oft nicht leicht. Irgendwie hängen sie mitten zwischendrin, sind weder Fisch noch Fleisch. Waren sie in der Grundschule schon die "Alten", sind sie auf den weiterführenden Schulen wieder die "Kleinen". Dazu kommen oft schon erste Pubertätsvorboten, die Hormone laufen sich langsam warm. Trotzdem sitzt man gerne noch bei den Eltern auf dem Schoß und kuschelt. Gar nicht so einfach das Großwerden…
 

Der erste runde Geburtstag

Wow, zehn Kerzen leuchten auf Tims Geburtstagstorte! Er ist stolz wie Oskar und freut sich riesig über das neue Fahrrad, das vor ihm blitzt und blinkt und Rahmengröße 26 hat. "Ein großes Fahrrad für einen großen Jungen" - ja, da hat die Oma recht, denkt Tim. "Mit 10 Jahren kann man schon so einiges mehr!"
Der erste runde Geburtstag, das erste beendete Lebensjahrzehnt ist ein bedeutsames Fest für Kinder: Hinter ihnen liegen 10 Jahre Kindheit, vor ihnen liegen die nächsten 10 Jahre des Erwachsenwerdens. Der zehnte Geburtstag wirkt daher immer ein bisschen wie ein Wendepunkt und ein Parkplatz vor dem Großwerden. Und sollte gebührend gefeiert werden! Auch für die Eltern ist der zehnte Geburtstag ein besonderes Ereignis. Man blickt zurück, wundert sich, wo die Zeit geblieben ist. Gleichzeitig fragt man sich, wie es weitergeht, ob alles rund läuft, man die bevorstehende Zeit der Pubertät gemeinsam meistert. Gut so: Denn der Blick zurück schärft die Sinne, macht deutlich, wie sehr man sich liebt und wie wichtig es ist, füreinander da zu sein.
Auch für die Eltern ist der zehnte Geburtstag ein besonderes Ereignis.

Neue Schule, neue Eindrücke

Ein großer Einschnitt rund um das zehnte Lebensjahr ist der Wechsel von der Grund- auf die weiterführende Schule. Viele Kinder müssen jetzt früher aufstehen, vielleicht mit dem Bus in die nächste Stadt fahren. Es gibt neue Fächer, neue Schulkameraden und Lehrer, die Hausaufgaben werden schwerer und die Zensuren vielleicht schlechter. Auf dem Schulhof sieht man die "großen Schüler" der Oberstufe, man erlebt Mode, Musik, Trends und coole Sprüche, vielleicht auch Raufereien, Drogen und Gewalt. Der Schritt von der eher behüteten Grundschule in die Mittelstufe ist geprägt von vielfältigen Eindrücken, die die 10-12jährigen aufsaugen wie ein Schwamm. Und nicht jedes Kind kann mühelos sortieren, was da alles passiert. Eltern haben hier eine wichtige Funktion, sollten aufmerksam begleiten und in Gesprächen helfen, die Eindrücke zu filtern. Was passiert in der Schule? Und wie geht es dem Kind dort? Wichtig ist jetzt, das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken, bei schlechteren Zensuren Mut zuzusprechen statt Vorwürfe zu machen. Experten raten, Kindern mindestens ein Jahr "Anpassungszeit" zu gewähren.
 

Ich bekomme neue Interessen

Langsam verändern sich jetzt auch die Interessen. Ab und zu wird zwar noch leidenschaftlich Lego gespielt, aber immer öfter wandert die Spielzeugkiste dezent unters Bett. Stattdessen dröhnt jetzt immer öfter die Stereoanlage mit den neuen Lieblingsliedern. Nicht nur Jungen, auch Mädchen werden jetzt technikinteressierter, wollen die Möglichkeiten des Internets nutzen, lieben es, sich bei Computer- oder Konsolenspielen auszuprobieren. Der Mp3-Player gehört da schon fest in die Jackentasche. Auch das Interesse an Mode wächst allmählich, die Kinder erkennen, dass der Kleidungsstil eine Form des persönlichen Ausdrucks darstellt. Jugendliche Vorbilder gibt nicht nur in der Schule genug - mit dem Interesse an Musik gehen modische Eindrücke und Vorlieben Hand in Hand. Die Eltern müssen sich also nicht wundern, wenn plötzlich ehemals heißgeliebte Kleidungsstücke plötzlich Staub ansetzen.
 

Erste Einblicke in die Pubertät

schule
Die körperliche Reife setzt bei Mädchen ca. ab dem 10. Lebensjahr, bei Jungen ab dem 11, 12 Lebensjahr ein. Manche sind früher, andere später. Auch wenn sich körperlich noch nicht viel tut, am Verhalten des Kindes merken Eltern bereits jetzt eindeutige Veränderungen. Hier gilt: Nicht ärgern, nur wundern. Schlaue Eltern nutzen diese kleinen Vorboten als Übungsfeld für die bevorstehenden Jahre. Typische "Pubertätsvorboten" sind zum Beispiel:
  • ständiges Vergessen, Durcheinander sein
  • launisch sein, erste Stimmungsschwankungen
  • weniger bereit, Regeln zu akzeptieren
  • provokativ
Manchmal staunen Eltern regelrecht und erkennen ihr Kind nicht wieder. Doch kein Grund zum Verzweifeln - gerade jetzt ist es wichtig, mit Verständnis aber auch Konsequenz zu reagieren, wenn mal alles anders läuft. Eltern sollten jetzt nochmal ganz bewusst auf ein gutes Verhältnis zu ihrem Kind achten, Vertrauensperson und Stärkung in einem sein - denn jetzt bilden sie die Basis für die eventuell eher turbulenteren Jahre der Zukunft. Nehmen Sie Ihr Kind und seine Bedürfnisse ernst, lachen sie es nicht aus, wenn es in der Fußgängerzone auf "supercool" macht und kaum zu Hause auf den Schoß zum Kuscheln will. Diese Ambivalenz ist ganz normal und ein Ausdruck des "Zwischen den Welten" sein. Gut, wenn Eltern dann immer da sind.

Autorin: Bettina Levecke
Nehmen Sie Ihr Kind und seine Bedürfnisse ernst, lachen sie es nicht aus, wenn es in der Fußgängerzone auf "supercool" macht und kaum zu Hause auf den Schoß zum Kuscheln will.