12-14 Jahre: Wenn Körper und Seele sich verändern

Maedchen mit brauen Haaren
Nichts wird von Eltern so gefürchtet wie die Pubertät des Kindes. Dramatische Veränderungen, wilde Kämpfe, Streit und Psychoterror stehen auf der Liste der Befürchtungen. Und immer wieder hat es dabei den Anschein als werden Eltern zum willkürlichen Opfer der jugendlichen Täter. Dieses Bild vermitteln zumindest zahllose Ratgeberbücher zum Thema. Doch so schlimm muss es überhaupt nicht sein: Viele Jugendliche meistern die Pubertät in ganz ruhigem Fahrwasser. Wichtig ist vor allem, dass die Eltern besonnen bleiben. Auch wenn die Hormone beim Nachwuchs mal komplett verrücktspielen…

Der Körper im Umbau

Die Pubertät bezeichnet den Übergang von der Kindheit zur frühen Adoleszenz, also zum Erwachsenenalter. Die sekundären Geschlechtsmerkmale bilden sich aus, die Schambehaarung wächst, Mädchen werden kurviger, Jungen muskulöser. Um diese körperlichen Veränderungen in Gang zu setzen, schüttet der Körper eine ganze Menge Wachstums- und Geschlechtshormone aus. Bei manchen Jugendlichen passiert das bereits ab dem zehnten Lebensjahr, bei anderen erst ab 12 oder 13 Jahren. Mal zeigt sich die körperliche Veränderung schnell, mal langsam. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen heute in der Regel über die körperlichen Veränderungen Bescheid wissen, sie wirklich zu erleben ist natürlich eine ganz eigene Erfahrung, die mal mit mehr, oft aber auch mit weniger Selbstbewusstsein getragen wird. Eltern sollten jetzt ein präsenter Ansprechpartner sein. Für junge Mädchen kann es zum Beispiel sehr hilfreich sein, mit der Mutter über die Menstruation sprechen zu können. Was hilft bei Bauchschmerzen? Wie verhalte ich mich beim Sport? Welches Hygienemittel kann ich verwenden? Auch Jungen erleben wie sich ihr Körper verändert und männlicher wird. Arme und Beine werden länger, die Stimme tiefer. Die ersten Barthaare zeigen sich. Haut und Kopfbehaarung neigen zum fettig sein, die Schweißproduktion steigt. Und das Interesse an Mädchen auch. Diese Veränderungen sind spannend, werfen aber auch Fragen auf. Gut, wenn dann eine Vertrauensperson ein offenes Ohr hat.
Das Beste, was Sie als Eltern in dieser Phase leisten können: Seien Sie jetzt in erster Linie präsente Ansprechpartner mit viel, viel Toleranz.

Seelische Veränderungen

Nicht mehr Kind, aber auch noch nicht erwachsen: In der Zwischenstufe Pubertät ist es ganz normal, dass die Gefühle ab und zu Achterbahn fahren. Umbauprozesse im Gehirn sorgen dafür, dass die Kids wirklich mal den "Überblick" verlieren, rastlos oder unkonzentriert, cholerisch oder auch hysterisch sind. Für Eltern lautet die grundsätzliche Empfehlung, sich auf solche Momente mental einzustellen. Und wenn es soweit ist, tief durchzuatmen. Wenn Eltern es schaffen, dem pubertären Gefühlschaos mit viel Liebe und Ruhe zu begegnen, ordnen sich diese turbulenten Gefühle viel leichter. maedchen-zuversicht
In der Pubertät haben Teenager häufig das Gefühl, als müssten sie auf dünnem Eis festen Boden suchen. Das macht Angst und sorgt für Unsicherheit. Wer bin ich eigentlich und wer werde ich? Die körperliche und seelische Entwicklung ist verbunden mit vielen Fragen, die Kinder zwischen 12 und 14 Jahren noch nicht überblicken können. Genau hier liegt die Aufgabe der Eltern. Bieten Sie in den Momenten, in denen ihr Kind unsicher ist, Ihren Halt. Seien Sie präsent, hören Sie zu, zeigen Sie Ihr Verständnis für die Probleme Ihres Kindes. Natürlich wird diese elterliche Unterstützung nicht immer sofort angenommen werden, besonders wenn die Gefühle gerade hochkochen. Aber sie schenken ein wichtiges Signal: "Ich bin da, wenn du mich brauchst!"
TIPP: Eltern, die nicht auf jede Mine treten, die ihr Kind in schlechter Stimmung auslegt, strahlen nicht nur wertvolle Ruhe aus, sie zeigen auch eine sehr wichtige Haltung: "Ich möchte mich nicht provozieren lassen, aber reden können wir gerne!"
 Streit Vater Tochter"Nicht auf jede Mine treten!"
Strahlen Sie besser Ruhe aus..

Irgendwie dazwischen

Für Eltern sind es immer wieder amüsante Szenen: Erst stylt sich die 13jährige Tochter stundenlang vor dem Spiegel, dann sitzt sie plötzlich glücklich mit der kleinen Cousine in der Sandkiste. Auch Jungen geben sich jetzt gerne supercool und abgeklärt, sind dann aber die ersten die kichernd auf dem Boden liegen, wenn Papa kitzelt…

Mit 12- 14 blickt man schon ganz nah auf die Welt der Großen, steckt aber gleichzeitig noch in den Kinderschuhen - und diese innere Ambivalenz zeigt sich deutlich im Verhalten. Auch wenn Eltern dieses Wechselspiel amüsiert oder wundert, behalten Sie diese Gedanken für sich. Lassen Sie Ihr Kind "dazwischen sein" ohne es zu hinterfragen oder zu kritisieren. Die Bestätigung, bei Mama und Papa einfach so sein zu dürfen, wie man sich gerade fühlt, schenkt große Sicherheit und stärkt das Selbstvertrauen. Denn: Oft genug müssen die jungen Teens in der Schule und unter Freunden schon die ganze Zeit groß spielen, obwohl sie es noch gar nicht sind. Schön, wenn die Uhren zu Hause dann anders ticken…

Autorin: Bettina Levecke
Oft genug müssen die jungen Teens in der Schule und unter Freunden schon die ganze Zeit groß spielen,obwohl sie es noch gar nicht sind.

Buchtipps zum Weiterlesen:

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