14 bis 16 Jahre: Achterbahnfahrten der Gefühle

junger gitarrist
Himmelhochjauchzend, dann plötzlich zu Tode betrübt: In der zweiten großen Phase der Pubertät können Jugendliche wie Aprilwetter sein. Unbeständig, launisch und labil, verbunden mit einer großen Empfindlichkeit. Dabei sind es nicht nur die Hormone, die am Stimmungsrädchen Lotterie spielen: Auch der Blick auf die Welt und die Zukunft lässt Jugendliche so manche emotionalen Höhen und Tiefen erleben.

Ich frage mich, was das alles soll!

Kleine Kinder fragen unverblümt und offen, wollen die Welt begreifen, sie fühlen und erleben. Jugendliche ab 14 wollen mehr, sie wollen die Welt verstehen. Ihr Anspruch ist hoch, der Blick in die Zukunft sehr präzise, zum Teil skeptisch oder sogar ängstlich. Was bedeutet das Leben? Was ist eigentlich Tod und Sterben? Was kommt danach? Wie finde ich meinen Lebensweg? Werde ich glücklich sein? Zwischen 14 und 16 Jahren lasten auf vielen jugendlichen Herzen diese existenziellen Fragen. Die Peergroup, also die gleichaltrigen Freunde, sind jetzt wichtiger denn je. Man trifft sich jede freie Minute, "chillt" und bespricht Probleme, lästert über Eltern und Lehrer und alle anderen unangenehmen Zeitgenossen. Auch die Kleidung ändert sich, die Jugendlichen entwickeln ihren eigenen Stil, wollen mit ihrer Kleidung die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Lebenshaltung und Peergroup ausdrücken.
Kaugummi
 

Ich suche Sicherheit!

Unsicherheit ist vielleicht das prägendste Merkmal dieser Entwicklungsstufe. Woran soll ich glauben? Welchen Sinn macht das Leben? Welchen Sinn hat es für mich? Jugendliche gehen mit diesen inneren Zweifeln auf ganz unterschiedliche Weisen um. Manche agieren frontal nach vorn, wollen und müssen sich spüren. Sie sind ständig unterwegs, kaum zu bremsen in ihrem Drang zur Aktivität. Um herauszufinden, was alles geht, riskieren sie auch so manche Gefahr. Der erste Alkoholrausch, die erste Zigarette, ein Joint - zwischen 14 und 16 Jahren ist die Verlockung groß, die eigene Leere mit Herausforderungen zu füllen. Andere wiederum verschließen sich wie eine Muschel, schweigen viel und beharrlich, können ganze Wochenenden in ihrem Zimmer vorm PC oder hinter Büchern versauern. Andere hängen nur am Telefon, palavern über jede Kleinigkeit des Alltags mit ihren Teenagerfreunden oder versinken in Traumwelten mit Wänden voller Justin Bieber-Poster.

TIPP: Die Unsicherheit dieser Jahre können Eltern nicht verhindern, aber lindern. Rückhalt, Vertrauen und klare Grenzen sind jetzt wichtiger denn je. Bestehen Sie auf das gemeinsame Abendbrot am Familienesstisch, setzen Sie klare Ausgehzeiten und Alltagsregeln. Milde, aber beständig, liebevoll, aber konsequent: Teenager wissen es zu schätzen, wenn Eltern ein sicherer Anker im wilden Ozean sind. Auch wenn sie es niemals zugeben würden.
Unsicherheit ist vielleicht das prägendste Merkmal dieser Entwicklungsstufe.

Ich hab Angst!

Der Druck in der Schule, Probleme mit Freunden und Klassenkameraden, Pickel, Liebeskummer, Dauerstress mit den Eltern - in diesen Jahren kann viel zusammenkommen. Und das Selbstbewusstsein, das sowieso schon stark mit dem Wechsel vom Kind zum Erwachsenen zu kämpfen hat, bekommt immer noch eins oben drauf. Selbstmordgedanken sind leider keine Seltenheit in diesem Alter, viele Jugendliche sind oft so verzweifelt und fühlen sich so einsam, dass sie Todessehnsucht verspüren. Sport ist jetzt eine gute Möglichkeit, Druck abzulassen und jenseits von Schule und Co. Erfolgserlebnisse und Zusammenhalt in der Gruppe zu erleben. Bestärken Sie Ihr Kind deshalb in seinen Hobbys, zeigen Sie Interesse für seine Tätigkeiten, z.B. auch Computerspiele, Bücher oder Musik.

Nehmen Sie aber genauso Sorgen und Nöte ernst und versuchen Sie sich bei Problemen für Ihr Kind stark zu machen (z.B. im Gespräch mit Lehrern). Die Unterstützung durch die Eltern hilft unsicheren Jugendlichen jetzt sehr, nicht den Mut zu verlieren. Toll sind auch gemeinsame Aktivitäten, die das Selbstbewusstsein stärken, zum Beispiel ein Ausflug in einen Kletterpark oder eine Wandertour mit Zelt. Besondere Erlebnisse und der Mut, die eigenen Grenzen zu überwinden, stärken das Ego. In den Ferien können Jugendreisen interessant sein, die gemeinsam mit Freunden oder auch alleine gebucht werden können.
 

Ich bin total abgeklärt!

Es ist der Widerspruch dieser Jahre: Innen drin verunsichert, nach außen total abgeklärt. Jugendliche können Erwachsene jetzt mit ihrem Diskussionsdrang auf die Palme bringen und gleichzeitig mit der gekünstelten Wortwahl zum Schmunzeln. Sie geben sich cool, unberührbar, unbeeindruckt und spielen gerne erwachsen. Mädchen ziehen sich wie Frauen an, Jungs geben sich lässig wie Justin Timberlake. Der härteste Spruch haut sie nicht um. Erst später weinen sie alleine in die Kissen.Vater dreht durch
 

Ich bin verliebt

Kichern, flüstern, SMS verschicken, stundenlang träumen: Viele Jugend-liche erleben jetzt die erste große Verliebtheit. Schmetterlinge im Bauch, tausend Fragen im Kopf. Liebt er mich? Liebt er mich nicht? Wann küssen wir uns? Bin ich schon bereit dafür? Mädchen in diesem Alter schwärmen oft für ältere Jungen über 16 Jahre. Gleichaltrige sind ihnen in der Regel zu "kindisch und unreif". Jungen hingegen mögen die gleichaltrigen Mädchen schon, merken aber genau, dass sie dort keine Chancen haben. Sie träumen deshalb gerne von "richtigen Frauen", und geben sich mit Bildern und Filmen aus Internet und TV ihren Phantasien hin.

Tipp: Der sexuelle Trieb in diesem Alter ist groß, Jugendliche entdecken Liebe und Gefühle für sich, probieren sich aus. Eltern sollten ihre Kinder jetzt aufgeklärt haben und jederzeit offen für Fragen sein. Machen Sie sich auf keinen Fall lustig über das "Verliebtsein" oder die Flecken auf dem Spannbetttuch. Damit riskieren Sie den Vertrauensverlust Ihres Kindes.

Autorin: Bettina Levecke
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