3-5 Jahre: Ich bin ein Kindergartenkind

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Mit dem Eintritt in den Kindergarten ab drei Jahren machen Kinder einen großen Entwicklungsschritt. Die vielfältigen Erfahrungen mit anderen Kindern prägen diese Lebensjahre.

Die anderen & ich

Der Kindergarten eröffnet eine neue Welt: Räume voller Spielmöglichkeiten, andere Kinder, fremde, neue Erzieher und Erzieherinnen - tägliche Stunden ohne die vertrauten Bezugspersonen Mama und Papa. Ab dem dritten Lebensjahr haben Kinder in Deutschland gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz, der auch genutzt werden sollte. Das soziale Wechselspiel mit Gleichaltrigen, die gezielte pädagogische Förderung durch Fachpersonal und Bewegung und Spiel stärken die gesunde Entwicklung des Kindes. Im Kindergarten können Kinder soziale Grenzen austesten, werden in ihrem Blick auf die soziale Umwelt trainiert und unterstützt, gewinnen Selbstvertrauen, können experimentieren und sich ausprobieren. Auf vielfältige Weise sind hier soziale, motorische, kognitive oder natürlich auch sprachliche Fähigkeiten gefragt.

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Ab dem dritten Lebensjahr haben Kinder in Deutschland gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz, der auch genutzt werden sollte.

Trennung: Nicht immer leicht

Für manche Kinder ist der Eintritt in den Kindergarten ein Riesenspaß - mutig marschieren Sie in den Kreis der neuen Freunde, sind aufgeschlossen und freudiger Dinge. Für andere wiederum bedeutet der Weg in den Kiga vor allem eines: Trennung von Mama und Papa. Trennungsschmerz ist im Alter von 3-5 Jahren immer wieder ein großes Thema. Wenn Mama gehen will, wird geweint und geklammert. Die Loslösung fällt schwer - auch am Abend, wenn die Eltern einen Babysitter engagiert haben oder die Übernachtung bei Oma und Opa ansteht. Grund für die Ängste ist zum Einen ein noch nicht ausgereiftes Zeitverständnis ("Wann ist bald?"), aber auch die Instabilität des eigenen Autonomiebewusstseins. Die Kinder schwanken zwischen den emotionalen Grundgefühlen "Ich kann alleine sein" und "Ich brauche dich".
 

Frühe Lernstörungen

Im Kindergarten oder in Spielgruppen können Eltern sehr gut beobachten, wie unterschiedlich sich Kinder in diesem Alter bereits entwickelt haben. Jedes Kind trägt seine persönliche Entwicklungsnote. Während das eine Kind sehr flink laufen und super klettern kann, ist das andere Kind beim körperlichen Spiel noch zurückhaltend, hat dafür aber vielleicht schon einen größeren Wortschatz. So früh, wie sich oftmals Talente und besondere Fähigkeiten zeigen, so früh können auch Auffälligkeiten deutlich werden. Der erfahrene Kinderarzt Professor Richard Michaelis (Autor des Buches " Die ersten fünf Jahre im Leben eines Kindes" ISBN 978-3-426-64260-3) nennt Hinweise, die Eltern beachten sollten, um frühzeitig auf vorhandene Lernstörungen reagieren zu können:
  • Das Kind zeigt Unsicherheiten beim Laufen, Gehen oder Dreiradfahren, ist motorisch nicht altersgemäß entwickelt
  • Die Sprache ist verzögert, das Kind versteht nicht alles, was man ihm sagt, oder ist oft unkonzentriert und abgelenkt
  • Kreative Tätigkeiten, die Konzentration und Geschick erfordern, wie Basteln, Malen oder Konstruieren, machen keinen Spaß
  • Das Kind vergisst Lieder, Geschichten oder Reime schnell wieder
Bei Auffälligkeiten kann das Gespräch mit dem Kinderarzt weiterhelfen. Mittels verschiedener Therapieansätze kann diesen frühzeitigen Lernstörungen entgegengewirkt werden.
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Ängste und Sorgen

ueberraschter-junge.jpg Kinder im Vorschulalter haben noch ein sehr "magisches" Denken. Sie erklären sich viele Dinge dieser Welt auf ihre ureigentümliche Weise, was Eltern häufig vor schwere Fragen stellt. So sind viele Kinder selbst bei kleinen Verletzungen sehr verängstigt. Als sich der kleine Luk (damals 3) eine winzige Schnittwunde am Finger zuzog und blutete, schrie er wild. Auf meine Nachfrage, wovor er sich ängstigte, sagte er: "Das ganze Blut läuft jetzt aus mir raus! Dann bin ich leer!" Auch "der liebe Gott", die Frage "Woher die Kinder kommen?", was der Himmel ist oder warum der Opa gestorben ist, bewegen Kinder jetzt sehr und können ihnen in manchen Momenten auch Angst machen, z.B. wenn sie sich Dinge vorstellen, die sie überfordern ("Schaut der liebe Gott zu, wenn ich Blödsinn mache?") Auch Fernsehbilder überfordern den Horizont von Kindergartenkindern schnell - sie können die schnellen Bilder aus fremden Welten (z.B. Cartoons, Nachrichtenbilder, Science Fiction) einfach noch nicht begreifen und in den Kontext ihrer Welt einordnen. Selbst scheinbar harmlose Filme (z.B. Märchen) können grundlegende Ängste auslösen. Eltern sind gut beraten, ihren Kindern diese Ängste durch ernstzunehmende Gespräche und Nachfragen ("Was ängstigt dich?") zu nehmen.

Autorin: Bettina Levecke
Selbst scheinbar harmlose Filme können grundlegende Ängste auslösen.

Buchtipps zum Weiterlesen:

Titel Kinder gezielt fördern
buti2
© GRÄFE UND UNZER
 
Autorin Cornelia Nitsch
Zielgruppe Eltern u. Erzieher
Herausgeber GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH; Auflage: 6 (10. August 2004)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 19,50 €

Titel Startklar für den Schulanfang ?
Schulanfang
© Aol
Autor Cornelius Knecht
Zielgruppe Eltern u. Erzieher
Herausgeber Aol im Aap Lehrerfachverlag (Februar 2008)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 19,95 €