5-7 Jahre: Nicht mehr klein und noch nicht groß

Junge-mit-Schultuete
Der Kindergarten wird langsam langweilig, die Vorfreude auf die Schule steigt. Kinder in diesem Alter sind sehr wissbegierig, gleichzeitig wirken sie auf die Eltern häufig sehr unberechenbar. Ebene war die Laune noch super, im nächsten Monat ist alles schrecklich. Nicht nur körperlich, auch seelisch verändert sich jetzt einiges.

Ich werde ein großes Kind

Der Vergleich mit älteren Fotos zeigt es jetzt: Fünfjährige Kinder erleben einen ordentlichen Wachstumsschub. Der Babyspeck schwindet, Arme und Beine sind gewachsen, der ganze Körper hat einen Schub gemacht. Langsam aber sicher verschwindet das typisch kleinkindliche Aussehen, auch das Gesicht wird markanter. Im Kindergarten gehört Ihr Kind jetzt zu den "Großen" - übernimmt vielleicht schon besondere Aufgaben oder kann bereits in der Vorschule mit Buchstaben und Zahlen experimentieren. Die Schule steht unmittelbar bevor und wenn es vom Alter noch nicht muss, so stellt sich jetzt häufig die Frage, ob es vielleicht schon in die Schule kann. Für Eltern dieser sogenannten "Kann-Kinder" ist die Entscheidung meistens nicht leicht und sollte auch gut überlegt werden. In Rücksprache mit den zuständigen Erziehern sollte das Für und Wider genau besprochen werden. Manchmal lohnt sich der Mut, manchmal ist es für die Entwicklung des Kindes auch sinnvoller, noch ein Jahr zu warten.

zwei maedchen 5
In Rücksprache mit den zuständigen Erziehern sollte das Für und Wider einer frühen Einschulung genau besprochen werden.

Ich bin oft unentschlossen

Die anstrengenden Trotzphasen sind jetzt (fast) vorbei. Ab und zu kann sich ein temperamentvolles Gemüt aber trotzdem nochmal in der Wut verlieren. Kennzeichnend für diese Altersphase sind eher Stimmungsschwankungen. 5-6jährige Kinder sind in der Lage, die vielfältigen Dinge des Lebens in Bezug zueinander zu setzen, sie begreifen Zusammenhänge viel differenzierter, als das noch mit 4 Jahren der Fall war. Allerdings ermöglicht diese weite Wahrnehmung der Wirklichkeit auch, dass plötzlich viel mehr Möglichkeiten zutage treten. Das kann zu einem Gefühl der Überforderung und zu Unentschlossenheit führen. Was will ich? Habe ich eine Wahl? Und wenn ja, wofür entscheide ich mich? Oft sind Kinder jetzt auch sehr ungeduldig, wollen sich nicht lange mit Aufgaben, die knifflig sind, beschäftigen. Sie wissen um das Ziel (z.B. ein schönes Bild), sehen aber klar die eigenen Möglichkeiten ("Ich kann das noch nicht so gut"). Eltern können diesen inneren Zwiespalt lindern, indem Sie geduldig ermutigen und viel loben.
 

Ich will die Welt erleben

Mit der körperlichen und geistigen Reife entsteht auch der natürliche Drang, mehr von der Welt zu erleben. Oft streifen eher zurückhaltende Kinder in diesen Lebensjahren allmählich ihre Schüchternheit ab. Neben die wichtigen Bezugspersonen, wie Eltern und Geschwister, treten jetzt Freunde aus dem Kindergarten oder Nachbarskinder. Das Spiel mit Gleichaltrigen ist für die Kinder von großer Bedeutung, im engen Kontakt können sie regelrecht in gemeinsame Phantasiewelten abtauchen. Diese zweite Loslösungsphase zeigt sich auch wieder in einem sehr ambivalenten Verhältnis von "Lass mich los" und "Halt mich fest!" - auf der einen Seite wollen die Kinder nun am liebsten alles selbständig machen, auf der anderen Seite sind sie extrem kuschelfreudig und lieben es bei Papa oder Mama auf dem Schoß zu sitzen. Eltern sollten dieses oft sehr widersprüchliche Verhalten entspannt betrachten und besonders in den kuscheligen Phasen ganz viel Liebe und Bestärkung schenken.
  heuDiese zweite
Loslösungsphase...

Ich will lernen

schule
Kinder haben ein natürliches Interesse am Lernen. Sie wollen die Welt begreifen können, sie wollen lesen, schreiben und rechnen lernen. Und so wundert es nicht, dass Vorschulkinder oft darüber klagen, dass sie viele Dinge, die sie z.B. bei älteren Geschwistern erleben, noch nicht können. Es ist wichtig, den natürlichen Wissensdrang von Kindern anzunehmen. Eltern, die immer mit den Worten "Ach, das lernst du dann später in der Schule" reagieren, wenn ihr Kind Fragen stellt, sorgen für Frust-Momente. Nehmen Sie sich die Zeit, um Antworten zu geben oder richtigen Sie feste Zeiten ein, in denen Sie mit Ihrem Kind Bücher anschauen, Rätsel lösen oder mit Buchstaben und Zahlen spielen. Es fördert das Selbstwertgefühl des Kindes extrem, wenn es eigenständig so tolle Sachen machen kann, wie z.B. den eigenen Namen zu schreiben oder mit 20 bereits rechnen kann. Wichtig ist es auch, möglichst viel mit dem Kind zu sprechen. Verzichten Sie dabei auf "Kindersprache", sondern reden Sie genauso, wie Sie auch mit Kollegen oder Freunden sprechen, auch Fremdwörter sind ausdrücklich erlaubt! Kinder im schulfähigen Alter sollten über einen aktiven Wortschatz verfügen. Eine altersgemäße Sprachentwicklung liefert den Grundstein für einen guten Start in der Schule.

Autorin: Bettina Levecke
 

Buchtipps zum Weiterlesen:

Titel Unser Kind Jahr für Jahr: Erziehung und Entwicklung von 3 bis 14 Jahren
Unser Kind Buch
© Dorling Kindersley Verlag
Autorinnen Carol Cooper, Claire Halsey, Su Laurent, Karen Sullivan
Zielgruppe Eltern u. Erzieher
Herausgeber Dorling Kindersley Verlag (30. September 2009)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 24,95 €

Titel "Das große Familien-handbuch: Erziehungs-tipps für alle Entwick-lungsphasen Ihres Kindes"

© Gerth Medien (2002)
Autoren Claudia und Eberhard Mühlan
Zielgruppe Eltern u. Erzieher
Herausgeber Gerth Medien; Auflage: 10., Aufl. (2002)
Kategorie Ratgeber / Sachbuch
Preis 19,95 €