8-10 Jahre: Freunde werden immer wichtiger

Jungenfreundschaft
"Was bist du groß geworden" - zwischen 8 und 10 Jahren machen Kinder eine rasante Entwicklung durch. Sie schießen förmlich in die Höhe, werden motorisch um ein Vielfaches geschickter. Auch die kognitive und soziale Entwicklung ist beachtlich. Eltern können oft nur staunen, was ihr Kind schon alles kann und wie es diese Selbständigkeit auch einfordert.

Blick in die Welt

Früher hat Mama Geschichten vorgelesen, mit 8 Jahren steht Kindern die Welt der Bücher selbst zu freien Verfügung. Man kann lesen, wann man will und wie man will - nicht nur Kinderbücher, sondern auch die Schilder an den Straßen, Ladenbeschriftungen und Papas Zeitung - die Welt des Wissens und damit auch die Macht des Verstehens steht plötzlich offen. In der Grundschulzeit bekommen Kinder mit der Fähigkeit des Lesens ein sehr starkes Handwerkszeug zur Verfügung, ihr Blick auf die Welt weitet sich und damit auch ihr Wille zur Eroberung. Kinder zwischen 8 und 10 Jahren sind sehr neugierig und wollen vieles entdecken. Sie lieben nicht nur Bücher, sondern sind auch fasziniert vom Fernsehen, von den Möglichkeiten des Internets oder Spielekonsolen. Sie wollen ausprobieren, testen, verstehen. Oft schießen sie dabei übers Ziel hinaus, denn sie können natürlich noch nicht einschätzen, was beim Ausprobieren passiert…und schwupps, ist der Geisterfilm doch viel zu gruselig oder das Buch viel zu schwer zum Verstehen. Auch wenn Kinder jetzt von den Eltern nicht mehr an die Hand genommen werden wollen, sollten Eltern deshalb trotzdem achtsam im Hintergrund begleiten, lenken und leiten. Es ist wichtig, den Wunsch nach Wissen und Ausprobieren beim Kind altersentsprechend zu lenken und auch gezielt zu fördern, z.B. durch eine Mitgliedskarte in der Leihbücherei. Freunde
Es ist wichtig, den Wunsch nach Wissen und Ausprobieren beim Kind altersentsprechend zu lenken und gezielt zu fördern.

Ich brauche Freunde

Während im Kindergartenalter noch relativ wahllos Verabredungen getroffen wurden, haben Grundschulkinder oft schon richtige Spielfavoriten, also Kinder, mit denen sie sich besonders gerne treffen. Freunde zu haben, wird ab dem Grundschulalter immer wichtiger und sollte auch von den Eltern unterstützt werden, z.B. durch regelmäßige Nachmittage, die für Verabredungen mit Freunden freigehalten werden. Freundschaften geben Kindern nicht nur das wertvolle Gefühl, gemocht zu werden, sie ermöglichen auch, sie im freien Spiel auszuprobieren. Freundschaften loten Grenzen aus, indem sie Kindern immer wieder wichtige Informationen darüber geben, wie man sich verhalten muss, kann und soll, um vom Gegenüber ein positives Feedback über die eigene Person zu bekommen. Im Spiegel der Freunde spüren Kinder sich selbst und entwickeln ihre soziale Persönlichkeit. Freunde
 

Ich habe Interessen

Neben Schule und Verabredungen mit Freunden tritt jetzt auch die Frage, welches Hobby ein Kind gerne machen möchte. Bei vielen Kindern zeigen sich Interessen von alleine, sie spielen z.B. sehr gerne Ball und wollen in den örtlichen Fußballverein eintreten. Andere spielen gerne auf Mamas Klavier und möchten Unterricht bekommen. Bei Kindern, deren Talente und Interessen sich noch nicht deutlich zeigen, kann es sinnvoll sein, verschiedene Dinge anzubieten oder auszuprobieren, z.B. bei Ferienspaßaktionen oder öffentlichen Angeboten, z.B. beim Tag der offenen Tür im Reitverein oder ein Instrumentenkarussel zum Ausprobieren in der Musikschule. Vielleicht gibt es auch durch Freunde oder ältere Geschwister die Möglichkeit bei Vereinen oder Kursen zu "schnuppern". Interessen und Tätigkeiten, die Freude bereiten, zu vertiefen, stärken das Selbstvertrauen und auch das Selbstbewusstsein bei Kindern. Zudem machen sie die wichtige Lebenserfahrung, dass man besser wird, wenn man trainiert oder sich mit bestimmten Herausforderungen auseinandersetzt.
 Mädchen spielt FußballBei vielen Kindern zeigen
sich Interessen von alleine...

Ich will mitreden

Die Zeit, in der Kinder alles glauben, was Eltern erzählen, ist längst vorbei. Immer öfter wird jetzt kritisch nachgefragt, werden Aussagen der Eltern auch hinterfragt oder widerlegt. Kinder im Grundschulalter entwickeln zu immer mehr Themen des Lebens eine eigene Meinung - oft passend zum Weltbild der Eltern, oft aber auch nicht. Es ist ein kleiner Ausblick in die bevorstehenden Jahre der Pubertät, den Eltern jetzt bekommen und es empfiehlt sich, sich den Diskussionen zu stellen, denn nicht nur die Kinder üben in der Meinungsäußerung den sozialen und kommunikativen Austausch mit der Welt, sondern auch die Eltern lernen, mit dem Kindern im Gespräch zu bleiben. Stöhnen sie deshalb nicht über die "Widerworte" des Nachwuchses, setzen Sie sich damit auseinander. Ihr Kind möchte jetzt mitreden können - und dürfen!

Autorin: Bettina Levecke