Erziehungstipps

Wie soll ich mein Kind erziehen?

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Beobachtung von "Glückskindern"

In der modernen Forschung gibt es zahlreiche Studien, die sich der Frage nach den richtigen familiären Erziehungsprinzipien widmen. Kaum ein anderes psychologisches Phänomen ist so intensiv durchleuchtet, analysiert und erforscht worden. Alle Studien gehen in die gleiche Richtung. Ausgangspunkt der neuesten Forschungsergebnisse war unter anderem die Beobachtung von Familien mit sogenannten Glückskindern. Damit sind besonders zufriedene Kinder mit ausgeprägtem Sozialverhalten gemeint, die selbst sozial akzeptiert sind und auch in der Schule mit den Anforderungen gut zurechtkommen. Die Fragestellung dabei war: Machen die Eltern dieser Kinder bei ihrer Erziehung irgendetwas anders? Was ist der Schlüssel zum pädagogischen Erfolg? Im Ergebnis zeigen sich bei diesem Erziehungsstil keine Unterschiede zu allgemein bewährten Prinzipien. Der entscheidende Unterschied liegt nur in der maximalen Intensität und Balance, mit der die Eltern die folgenden Elemente umsetzen:
  • Sie geben den Kindern viel Liebe und Zuwendung.
  • Sie setzen klare Regeln, die eingehalten werden müssen. Darauf wird stets geachtet und das mit aller Konsequenz umgesetzt.
  • Sie verzichten auf jegliche Form seelischer und körperlicher Gewalt. Methoden wie fertigmachen, niedermachen, unter Druck setzen, beleidigen sind tabu.
  • Sie fördern das kindliche Selbstbewusstsein und unterstützen die individuelle Persönlichkeit mit Vertrauen in die Fähigkeiten und eigenen Begabungen.
Die Wissenschaft bezeichnet diesen Erziehungsstil als "autoritativ". Interessant ist, dass diese Erziehungsprinzipien auch in anderen Kulturkreisen angewendet werden und sich auch dort bewährt haben.
glückliche Kinder
Glückskinder sind besonders
zufriedene Kinder mit
ausgeprägtem Sozialverhalten

Die häufigsten Fehler in der Erziehung

Die perfekten Eltern ... !

"Nobody is perfect." Der Perfektionsanspruch vieler Eltern, in allen Erziehungsfragen unbedingt immer alles richtig machen zu müssen, wirkt geradezu zwanghaft ("Ich will immer nur das Beste für mein Kind ... ."). Eine tragende Rolle spielt dabei oftmals eine einseitige Werteorientierung in Leistungskategorien. Und aus diesem Denken heraus will man das Kind optimal für die späteren gesellschaftlichen Herausforderungen des Lebens ausstatten. Tragisch dabei ist, dass der psychische Dauerdruck, den sich die Eltern machen, dann zwangsläufig zu Fehlern führt. Denn die Kinder wollen ja oft nicht so wie ihre Eltern.
Das wiederum endet in Selbstvorwürfen ("Warum läuft bei mir alles falsch?"), Selbstzweifel und das Gefühl, versagt zu haben, schleichen sich ein. Da viele mit ihrem vermeintlichen Versagen nicht klar kommen, übertragen sie ihre Fehler auf die Gesellschaft, den Kindergarten, die Schule, die Lehrer ... . Und wenn diese Muster versagen, bleibt immer noch das Kind als Sündenbock - als Spiegelbild der eigenen Unzulänglichkeit.
Wer erzieht, macht zwangsläufig Fehler. Und wer sich von dem Gedanken verabschiedet, unfehlbar sein zu müssen, wird in der Erziehung bestimmt mehr Freude für sich und für seine Kinder entdecken können. Kindererziehung ist auf der Basis sinnvoller Grundregeln ein kreativer, vitaler und spontaner Prozess, der sich an den Bedürfnissen, der altersgemäßen Entwicklung und der Individualität des Kindes orientiert.
Eltern müssen sich von dem Gedanken verabschieden, Erziehung sei ein Prozess, der sich strategisch in allen Bereichen durchplanen lässt. Kinder dürfen nicht auf bestimmte Ziele der Erwachsenen hin getrimmt werden.
Wer sich selbst und anderen Fehler zugesteht, wird entspannter und gelöster mit Problemen umgehen und diese kreativer und konstruktiver lösen können.

Die übervorsichtigen Eltern

Überbehütung kommt recht häufig vor. Da wollen Eltern die lieben Kleinen besonders schützen, packen sie sprichwörtlich in Watte, und erreichen damit genau das Gegenteil. Ein Kind, das immer in Watte gepackt wird, verletzt sich umso schwerer. Wer sein Kind kennt, kann auch das jeweilige Risiko kalkulieren. Eltern müssen wissen, was sie ihren Kindern zutrauen können. Das Kind muss seine Grenzen ausloten dürfen, nur so kann eine gesunde Entwicklung stattfinden. Mit der Ausweitung der Grenzen gewinnt das Kind an Selbstvertrauen.

Die inkonsequenten Eltern

Sie drohen, Sie sagen, was passiert wenn ..., Sie schreien. Doch es passiert nichts, das merkt das Kind sehr schnell, sein Verhalten wird hingenommen. Es muss keine Konsequenz fürchten, es hat den Machtkampf gewonnen. Wenn Sie keine logischen Konsequenzen durchsetzen, registriert Ihr Kind sehr schnell Ihre Schwäche. Im schlimmsten Fall empfindet das Kind die "Teilnahmslosigkeit" der Eltern als Desinteresse an seiner Persönlichkeit. So ein Zustand kann seelische Verletzungen hervorrufen.
Das Kind muss seine Grenzen ausloten dürfen, nur so kann
eine gesunde Entwicklung stattfinden. Mit der Ausweitung
der Grenzen gewinnt das Kind
an Selbstvertrauen
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Für die Pinnwand: Die wichtigsten Erziehungstipps


Erziehungstipps

Wenn Sie folgende Grundregeln umsetzen, haben Sie viel mehr Spaß an der Erziehung:

Schenken Sie Ihrem Kind viel Liebe und Aufmerksamkeit!

Ihr Kind braucht Ihre Liebe und volle Zuneigung. Das müssen Sie ihm deutlich zeigen, auch körperlich. Je nach Entwicklungsstufe brauchen Kinder mehr oder weniger Körperkontakt, wollen schmusen oder umarmt werden. Auf der Basis dieses innigen Vertrauensverhältnisses schenken Sie dem Kind mehrmals täglich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Wie die jüngsten Forschungen zeigen, reichen diese nur wenige Minuten in Anspruch nehmenden Intervalle intensiver Beschäftigung mit dem Kind aus für ein inniges vertrauensvolles Verhältnis zum Kind und sind viel wichtiger als eine einzige längere Phase. Wenn Sie Ihrem Kind aufrichtig interessiert zuhören und mit ihm reden, fühlt sich das Kind beachtet. Das ist "wertvolle Zeit" und die ist gut investiert!

Sie geben die Regeln vor!

Regeln geben Orientierung und sind notwendig für den harmonischen Familienalltag. Die Eltern sind es, die diese Regeln vorgeben. Regeln müssen immer klar und verständlich sein und für die gesamte Familie gelten. Zum Beispiel: "wir schreien uns nicht an, wir essen gemeinsam am Tisch, wir halten uns an Tischmanieren ... ". Das Wichtigste daran ist, dass diese Regeln befolgt werden. Falls es zu Problemen kommt, sprechen Sie das Kind direkt an und bestehen Sie auf die Einhaltung der Regeln. Nur so kann das Kind lernen, dass Regeln verbindlich sind und befolgt werden müssen.

Geben Sie klare Anweisungen und bleiben Sie konsequent!

Anweisungen müssen deutlich und verständlich sein. Wenn Sie etwas von Ihrem Kind verlangen, geht das nur, wenn die Kommunikation funktioniert. Zuerst müssen Sie sicher sein, dass das Kind auch zuhört. Dann erklären Sie ihm in deutlichen Worten, was Sie erwarten und geben ihm ausreichend Zeit, der Anweisung nachkommen zu können. Wichtig ist, dass das Befolgen entsprechend gelobt wird, um das Verhalten zu bestärken. Für einen effektiven Lernerfolg ist dies unerlässlich. Wenn das Kind auf Ihre Anweisungen überhaupt nicht reagiert, sind logische Konsequenzen nötig. Dabei gilt immer, auf jegliche Form der körperlichen Gewalt zu verzichten. Wichtig ist nur, dass logische Konsequenzen folgen. Ob Sie versprechen, ankündigen, loben oder strafen. Das Kind muss erfahren, dass diese Dinge auch eintreten. Sinnvolle Regeln haben folgendes gemeinsam:

  • Es ist niemals die Person gemeint, sondern immer das Verhalten.
  • Regeln müssen dem jeweiligen Alter entsprechen.
  • Regeln sind ab einem gewissen Alter auch veränderbar, sie dürfen nicht starr sein.

Haben Sie Vertrauen in die Fähigkeiten Ihres Kindes!

Ein Grundproblem vieler Eltern ist, dass Sie Ihren Kindern nicht genug zutrauen. Sie haben ständig Angst vor Verletzungen, wittern hinter jedem Busch und Strauch Gefahren und stehen dadurch permanent unter Stress. Ängste hemmen, machen unfrei und verursachen eine tragische Wechselwirkung. Je weniger Eltern ihren Kindern zutrauen, desto ängstlicher werden diese, reagieren übervorsichtig, trauen sich nichts zu. So kann Erziehung beide Seiten nur frustrieren. Das Kind muss seinem Alter entsprechend eigene Erfahrungen machen, muss seine Grenzen ausloten dürfen. Sie können Ihr Kind nicht vor allem beschützen. Sie müssen lernen, das Kind auch loszulassen. Schrammen und Beulen sind normal und verheilen. Vertrauen und Zuversicht lassen sich erlernen. Sie werden erstaunt sein über die Lernerfolge Ihres Nachwuchses. Und bei selbstbewussten, lebensfrohen Kindern können sich auch die Eltern besser entspannen.

Erziehen ist eine Lebensaufgabe, die Eltern mit vielen wundervollen Momenten belohnt für ihren ständigen Einsatz, die Disziplin, die Hingabe. Erziehung darf, ja soll Spass machen. Die kleinen Probleme und Alltäglichkeiten mit dem Nachwuchs lassen sich mit Humor und Gelassenheit viel leichter bewältigen. Haben Sie keine Angst vor Konsequenzen!