Was Kinder brauchen

glueckliche Kinder
Ein Erwachsener, der selbstbewusst mit beiden Beinen im Leben steht und in der Lage ist, sich den alltäglichen Problemen zu stellen, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit als Kind eine gesunde seelische Entwicklung erlebt. Diese wiederum ist von einigen wesentlichen Faktoren abhängig, die im folgenden in sechs Kernsätzen zusammengefasst werden:

Sechs Sätze mit "Ich"

1. „Ich sage ja zu mir.“

Kinder brauchen Selbstvertrauen. Sie müssen wissen, dass sie an ihre Möglichkeiten glauben und auf ihre Fähigkeiten vertrauen dürfen. Grundvoraussetzung dafür sind tiefgreifende positive Erfahrungen, insbesondere mit den Eltern, die sie unterstützen, loben, tadeln, ermutigen und ihnen vor allem etwas zutrauen. Zutrauen heißt, Vertrauen haben in die Fähigkeiten des anderen. Damit wird das Selbstbewusstsein gestärkt und die Entwicklung einer Ich-starken, lebensfrohen Persönlichkeit auf den Weg gebracht. Neben den Eltern sind es auch ErzieherInnen, Verwandte und Freunde, die mit ihrem Einfluss die kindliche Entwicklung prägen und viel für positive Momente im Leben des Kindes tun können.
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Durch Ermutigung und Bestätigung gewinnt das Kind
notwendiges Selbstvertrauen
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2. „Ich weiß, was ich kann.“

Im Spiel und im Austausch mit den Spielkameraden machen Kinder ihre Erfahrungen und loten dabei ihre Grenzen aus. Das Kind lernt sich einzuschätzen und kann mit seiner Enttäuschung besser umgehen, wenn mal etwas nicht klappt. Damit wächst Selbstakzeptanz und Frustrationstoleranz.
Über kleine Fortschritte im Spiel wird zudem das Selbstvertrauen gestärkt.
Hier sind wieder Eltern und Erzieher gefragt, Fortschritte und Weiterentwicklung situationsbedingt durch Hilfestellungen zu ermöglichen.
 

3. „Ich kann etwas tun.“

Kinder brauchen Freiräume, in denen sie ungehindert ihre Fantasie entfalten und ihre Kreativität entdecken können. Solche Spielräume, die in unserer hochzivilisierten, städtischen Kultur leider immer seltener werden, wie Wiesen, Felder, Häuserecken, Hinterhöfe, Spielplätze, wenn sie denn genug Raum für Fantasie bieten, sind notwendig für die kindliche Entwicklung. Im freien unkontrollierten Spiel wird die Welt sinnlich erfahren, es werden eigene Regeln aufgestellt und eigene Plätze erobert. Das Kind kann seiner Fantasie freien Lauf lassen und spürt, dass es schöpferisch etwas bewirken kann.
Das ist wesentliches seelisches Rüstzeug für das spätere Leben, denn Menschen mit reichhaltiger Fantasie benötigen keine ständigen äußeren Anreize und Sensationen, um die eigene innere Leere zu bewältigen.
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Kreativität und Fantasie sind der beste Schutz gegen innere Leere.

4. „Ich kann auch nein sagen.“

Auch bei dieser Regel ist wieder Selbstvertrauen die notwendige Voraussetzung, um in einer schwellenden Konfliktsituation "nein" sagen zu können. Kinder müssen lernen, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten, eben auch mal "nein" zu sagen und damit Widerstand in Kauf zu nehmen; auch gegenüber Erwachsenen. Das formt das Selbstbewusstsein. Streiten will gelernt sein. Nicht umsonst gibt es das Wort „Streitkultur“ und Aggressionen sind überlebenswichtig. Das Kind muss frühzeitig lernen, sich zu behaupten und dazu gehört die Fähigkeit, "nein" sagen zu können.
Den geborenen Duckmäuser gibt es nicht. Wer als Erwachsener vor allem kuscht, ist in seiner Kindheit traumatisiert worden, etwa durch ein autoritäres Elternhaus, dass jeden Widerstand im Keim erstickt hat oder aber durch überängstliche Eltern, die ihre Ängste auf das Kind übertragen. stier
 

5. „Ich kann verzichten.“

So wie die Erwachsenen das Nein des Kindes akzeptieren, muss das Kind lernen, das Nein der Erwachsenen zu befolgen. Es muss lernen, sich an Regeln zu halten und es muss erfahren, dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehen kann. Ein Kind, dem jeder Wunsch erfüllt wird, lernt nicht, verzichten zu können. Dieses Defizit in der Entwicklung führt zu einer geringen Frustrationstoleranz und wird sich unweigerlich im späteren Leben als gravierender Nachteil herausstellen. Menschen mit niedriger Frustrationstoleranz sind weitaus gefährdeter für die Flucht in süchtiges Verhalten als Ersatz für die entgangene Befriedigung.
 

6. „Ich bin verantwortlich für das, was ich tue.“

In einem guten Familienklima werden die Eltern die Selbständigkeit des Kindes fördern, indem sie seine Meinung und seine Entscheidungen akzeptieren. Gleichzeitig muss das Kind lernen, dass es selbst für die Folgen seiner Entscheidungen und seines Handelns verantwortlich ist.